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Berichte
01. Dezember 2006 – Schon ein halber Meter kann Leben kosten | So wenig Platz bleibt dem Löschfahrzeug: Feuerwehranwärter Michael Hamann weist den Fahrer Norbert Götz in der Rheingasse ein. Im Ernstfall müssen die Feuerwehrleute sogar Fahrräder zur Seite räumen, wenn sie an engen Stellen nicht durchkommen. | | Foto: Kirsten Schlüter (05. Dezember 2006) |
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"Rechts wird es langsam knapp", sagt Michael Hamann. Er sitzt in einem großen Feuerwehrfahrzeug und lotst den Fahrer Norbert Götz durch die engen Gassen der Niederburg. Links trennen nur Zentimeter den Außenspiegel von der Hauswand, rechts parkt ein roter Roller. Norbert Götz legt sein ganzes Gewicht ins Lenkrad und kurbelt. Trotzdem schafft es das Fahrzeug nicht um die Kurve. Vor und zurück, immer wieder. Erst nach einigen Minuten schiebt sich der Einsatzwagen durch die Rheingasse. An dem roten Roller hängt inzwischen ein Knöllchen.
Immer wieder blockieren parkende Fahrzeuge die Straßen an engen Stellen. Etwa einmal im Jahr rücken Ortspolizei und Feuerwehr gemeinsam aus, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf diese Engstellen zu lenken. "Wir wollen den Bürgern bewusst machen, dass die Feuerwehr nicht richtig helfen kann, wenn überall Autos die Wege versperren", sagt Erich Böhler, Leiter der Abteilung Verkehrswesen im Bürgeramt. Für das Parken an Engstellen mit Behinderung sind deshalb 25 Euro fällig. Knackpunkte seien der Fischmarkt, die Zollernstraße und die Hofhalde. "Die Leute blockieren nicht uns, sondern die Menschen, denen wir helfen wollen", sagt Norbert Götz von der Feuerwehr. Die Notdurchfahrt muss 3,50 Meter Breite haben. "Wenn der Feuerwehrwagen nicht mitfährt, glauben die Leute nicht, dass er im Notfall nicht durchpasst", sagt Böhler.
In der Inselgasse wartet die nächste Herausforderung. Zwei silberne Autos verhindern ein Weiterkommen. Die Ortspolizisten überlegen: Das eine Auto hat ein auswärtiges Kennzeichen. In diesem Fall wird eigentlich sofort ein Abschleppdienst gerufen, weil der Halter nicht schnell genug auffindbar ist. Im schlimmsten Fall ergibt die Recherche, dass es sich um einen Mietwagen handelt. Plötzlich geht in einem oberen Stockwerk ein Fenster auf. "Der Wagen wird weggefahren", ruft eine Frau. Der Halter des anderen Wagens stammt aus Singen. Der Abschleppdienst wird alarmiert und trifft nach einer Viertelstunde ein. Zufällig kommt zur selben Zeit der Halter um die Ecke. Er wird belehrt: "Der Abschlepper hat 16 Minuten bis zu uns gebraucht. Das sind 16 Minuten, die im Ernstfall Leben kosten können", sagt Christian Paefgen von der Ortspolizeibehörde. Der Singener muss 25 Euro bezahlen plus 65 Euro Anfahrtskosten für den Abschleppdienst. Dabei hatte er noch Glück: Wäre sein Auto tatsächlich abgeschleppt worden, hätte er weit über 100 Euro bezahlt. Der Halter ist wenig erfreut, sieht sein Vergehen aber ein. Mürrisch sagt er auf die Frage nach der Strafe: "Ja, ist in Ordnung."
Nach anderthalb Stunden hat die Ortspolizei 22 Strafzettel verteilt, davon etwa die Hälfte wegen Parkens mit Behinderung. "Die Kollegen der Stadt haben nie das Problem mit Fehlalarm, die finden immer was", sagt Norbert Götz von der Feuerwehr. Ein Vorurteil möchte Ortspolizist Christian Paefgen aber noch ausräumen: "Viele Leute denken immer, dass wir möglichst viele Autos abschleppen wollen. Das ist aber nur die letzte Maßnahme. Den Ärger verursachen die Fahrer selbst, wenn sie uns im Weg stehen." Einer allerdings hofft, dass der Abend sich für ihn doch noch lohnt: Der Abschleppwagen steht auf einem Parkplatz und wartet auf den nächsten Anruf.
Autor: Kirsten Schlüter – Letzte Änderung: 2006-12-05 17:37:32
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