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Berichte
02. Juni 2007 – 3-Wachen-Tour in StuttgartBerufsfeuerwehr besichtigt – Abstecher zum FlughafenDer Stuttgarter Standardlöschzug, viele Sonderfahrzeuge und die neue Leiststelle der Berufsfeuerwehr waren einige der interessanten Themen bei der Besichtigung dreier Feuerwachen der Berufsfeuerwehr. Als sachkundigen Führer stand Inko Weber, früher selbst einmal Angehöriger der Konstanzer Feuerwehr, zur Verfügung.
Wache 5
Die Feuer- und Rettungswache 5 Filder in Degerloch war die erste Station der Tour. Bei frischen Brezeln und Kaffee gab Inko Weber einen Überblick zur Feuerwehr Stuttgart mit seinen insgesamt 5 Feuerwachen mit rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 23 stadtteilbezogenen Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr mit jeweils 25 bis 60 Angehörigen. Die Freiwilligen Feuerwehrabteilungen gehören, um die Hilfsfristen zu wahren, mit zum festen Ausrückekonzept, sodass deren Mitglieder eine recht hohe Anzahl an Einsätzen zu verzeichnen haben. Bei größeren oder länger andauernden Einsätzen besetzen sie auch die Feuerwachen. Im Innenstadt gibt es allerdings keine Freiwilligen Feuerwehren. Diese wurden mit dem Entstehen der Berufsfeuerwehr abgeschafft, da sie damals überflüssig erschienen. In rund einem halben Dutzend Gerätehäusern sind auch Drehleitern stationiert, die als Ersatzfahrzeug für die Wachen herangezogen werden.
In jeder Feuerwache wird ein Löschzug, bestehend aus ELW 1 (2 Feuerwehrangehörige), HLF A (4) und HLF B (4) sowie einer DLK (2) in Niederbauweise, vorgehalten. Früher gehört zum Standardlöschzug ein TLF 24/50, das vom HLF B abgelöst wurde und als Sonderfahrzeug eingesetzt wird. Die HLF B sind die älteren Fahrzeuge der Typen A und B. Letztere waren vormals das Löschfahrzeug der Stuttgarter.
In der Wache 5 stehen unter anderem WLF mit verschiedenen Abrollbehältern (Schaummittel 6 000 l, Unterkunft, Rüstzeug, …), einer von 2 Kranwagen (KW 30), der zusammen mit einem AB Anschlagmittel eingesetzt wird.
Rettungswache
Die Wache 5 ist die einzige Rettungswache der BF. Ein NEF und 2 RTW sind dort stationiert. Nachts und am Wochenende sind nur das NEF und ein RTW besetzt, tagsüber auch der zweite RTW. In Stuttgart wird der Rettungsdienst zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz, dem Malteser Hilfsdienst und der Johanniter Unfallhilfe gefahren. Rund die Hälfte aller Einsätze der Feuerwehr entfällt auf den Rettungsdienst!
Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland bescherte der Stuttgarter Feuerwehr neue Fahrzeuge und Gerätschaften, darunter ein AB-MANV für bis zu 50 verletzte Personen (er wird gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz betrieben), ein AB-Medizintechnik für weitere 50 Verletzte und ein „Bus“ (Großraum-Rettungswagen) mit Plätzen für 5 liegende (schwerverletzte) Patienten und 10 sitzende (leichtverletzte) Patienten. Eine Stryker-Fahrtrage ist als Schwerlasttrage für Patienten mit bis zu 350 kg nutzbar.
Wache 3
Die Wache 3 (West) ist die sogenannte Umweltwache. Ihr Wachgebäude ist das jüngste in Stuttgart. Dort sind 2 RW-U(mweltschutz) stationiert. Diese auch als „Öler“ bezeichneten Fahrzeuge haben recht hohe Einsatzzahlen, da sie mehrmals am Tag zu Ölspuren ausrücken. Dazu haben sie einen großen Behälter, der rund ein Dutzend Säcke Ölbindemittel fasst. Dieses wird mittels einem aus dem Winterdienst bekannten Salzstreuer während der Fahrt auf die verschmutzte Fahrbahn aufgebracht.
Daneben führt der „Öler“ zahlreiche Pumpen für unterschiedliche Gefahrstoffe mit. Unter anderem eine Schlauchpumpe (Elro), die in beiden Richtungen funktioniert, soll heißen sowohl Saugen als auch Drücken kann, 2 Fasspumpen und 1 Druckluftpumpe. Weitere Ausrüstungsgegenstände sind ein Wassersauger, Schöpfkellen und Werkzeug, darunter auch nicht funkenreißendes aus Kupfer-Beryllium.
In dieser Wache stehen 2 WLF, jeweils aufgesattelt mit AB Umweltschutz Land und AB Atemschutz und Dekontamination. Desweiteren befinden sich dort ein AB Tank mit 8 Stück 1 000-Liter-Behältern, ein AB Tank mit 10 000 l Inhalt für brennbare Flüssigkeiten, 1 AB Mulde sowie 2 Gabelstapler. Außerdem steht dort ein Gasflaschenbergebehälter für nicht-brennbare Gase. Selbstverständlich ist in der Wache West auch ein Standardlöschzug stationiert. Außerdem findet sich dort eines der drei Fahrzeuge für die Behälter „Wechselaufbau“ (WA), ähnlich dem AB-System jedoch auf einklappbaren Stützen montiert. In der Wache 2 steht auch der weiße WA Logistik.
Hauptfeuerwache
Die Besichtigungstour endete auf der dritte und letzte Wache, der Hauptfeuerwache (Feuerwache 3) in Bad Cannstatt, gegenüber vom Cannstatter Wasen. Dort war während des Besuchs für ein halbes Jahr ein Reservelöschfahrzeug von Daimler-Benz stationiert. Dies für die Dauer eines Ausbildungslehrgangs, da die Stuttgarter keine Reserve mehr hierfür übrig hatten.
Neben der klassischen Einbahn verkehren in Stuttgart auf Schienen U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahnen in Schmal- und Normalspur, eine Kleinbahn, eine Standseil- und eine Schmalspurzahnradbahn. Hierfür verfügte die Berufsfeuerwehr früher über einen RW Schiene, der jedoch zwischenzeitlich abgeschafft worden war. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass darauf nicht verzichtet werden kann, sodass 2007 eine Neubeschaffung geplant wurde.
Ein orangefarbener VW LT dient während Reparaturarbeiten am WA Einsatzleitung als Ersatz. Neben einer umfangreichen fernmelde- und computertechnischen Ausstattung verfügt der WA über einen abtrennbaren Besprechungsraum. In diesen können mittels einer Kamera mit Superzoom Bilder von der Einsatzstelle übertragen werden. Eine tragbare Kamera (umschaltbar auf Infrarot) ermöglicht einem Trupp Detailaufnahmen zu übertragen, die dann ausgewertet und für die Ausarbeitung für Einsatzaufträge herangezogen werden. Der Container kommt immer ab einem 3. Alarm zum Einsatz.
Ein GW-Spezialrettung/Taucher und ein Alu-Boot mit Außenborder auf einem Trailer sind ebenfalls in der Hauptwache stationiert. Für die Ausbildung werden doch auch mehrere Planspielplatten mit Modellen vorgehalten. Inko Weber, der bis Ende Mai 2007, 10 Jahre lang als Ausbilder bei der BF tätig war, erklärte dass eine konsequente Ausbildung die Umsetzung von „Standards“ – also bei gleichen Lagen immer die gleichen Handlungen vorzunehmen – gefördert habe. So hätte er seit 5 Jahren das Melden einer „Lage bei Ankunft“ sowohl den Freiwilligen als auch den Hauptberuflichen eingeimpft, was die Qualität der Rückmeldungen deutlich verbessert hab, sagte Weber.
SIMOS
Auf dem Gelände der Hauptfeuerwache befindet sich auch das 2006 fertiggestellte Gebäude der SIMOS, der „Leitstelle für Sicherheit und Mobilität Stuttgart“. In sind untergebracht die Integrierte Leistelle von Feuerwehr und Deutschen Roten Kreuz mit 10 Notrufannahmeplätzen, der Stab für außergewöhnliche Ereignisse und Katastrophen SAE, die Telefonvermittlung für den ärztlichen Notdienst sowie die Integrierte Verkehrsleitzentrale für die Verkehrsüberwachung- und -lenkung. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf rund 15 Millionen Euro, rund 2 Drittel fielen davon auf die Technik.
Die TEL des SAE befindet sich in einem durch eine Glaswand abgetrennten Nebenraum. Der Verwaltungsstab befindet sich einen Stock höher und blickt von oben auf den sehr hohen Raum der Integrierten Leitstelle. Diese wird optisch bestimmt durch eine riesige Medienwand. Dort sind unter anderem die Status sämtlicher Fahrzeuge und auf einem Stadtplan die derzeitigen Einsatzorte dargestellt. Die Einsatzorte werden auf dem Stadtplan mittels verschiedener Zeichen hervorgehoben: So bedeutet ein blaues Kreuz ein Krankentransport, ein rotes Kreuz ein Rettungswageneinsatz und ein blauer Punkt der hinzualarmierte Notarzt. Blinkt eines dieser Symbole, so ist das entsprechende Rettungsmittel noch auf der Anfahrt.
Theoretisch ließe sich in SIMOS eine GPS-Fahrzeugüberwachung verwirklichen. Da jedoch das Geld für die Umrüstung der Fahrzeuge fehlt, wird dies noch etwas auf sich warten lassen. Der Einsatzleitrechner verwaltet rund 7 000 Straßen von Stuttgart. Mittels einer „Joker-Suche“, bei der nur Bruchstücke – zum Beispiel eines Straßennamens – eingegeben werden, liefert der Rechner eine Auswahl an Straßen, Objekten und Einrichtungen. Dies erleichtert die Bestimmung des Einsatzortes, falls Anrufer undeutlich sprechen. Der Einsatzleitrechner steuert neben der Funkalarmierung auch das jeweilige Alarmlicht und die Alarmdepeschen.
Rund 150 000 „Notrufe“ – inklusive des ärztlichen Notdienstes – gibt es pro Jahr. Auf rund 1 Million Anrufe insgesamt wird das Aufkommen geschätzt. Eine anfänglich durchgeführte Protokollierung wurde aufgegeben, da sich der Aufwand nicht auszahlte.
Mit dem System „See us“ werden Luftbild, Stadtplan und Kataster so miteinander verknüpft, dass die Leitstelle recht genaue Angaben über die Bebauung einer Einsatzstelle und ihrer Umgebung erhält und an diese an die Einsatzkräfte vor Ort weitergeben kann.
Besonderheiten
In den Wachen 1 und 4 sind je ein KEF-T stationiert. Das „Kleineinsatzfahrzeug mit Zusatzbeladung zum Öffnen von Türen“ wird vor allem bei hilflosen Personen in einer Wohnung eingesetzt. Es wird aber auch bei Bedarf bei Brandeinsätzen hinzu alarmiert, falls ein Zugang geschaffen werden muss.
Zahlreiche Stuttgarter Feuerwehrfahrzeuge sind mit „Panda-Generatoren“ ausgestattet, die sehr leise sind und ein angenehmes Arbeiten ohne Lärmbelästigung an Einsatzstellen ermöglichen.
Mehrere Smart bevölkern die Feuerwachen: Einen davon fährt der Personalsratsvorsitzende. Das Auto ist mit Blaulicht ausgestattet, hat jedoch kein Funksprechgerät.
Abflug
Zum Essen führte Inko Weber die Besucher in die Sportgaststätte beim Gottfried-Daimler-Stadion. Den Tag beschloss die Gruppe auf der Besucherplattform des Stuttgarter Flughafens. Inko Weber sei für die tolle und unterhaltsame Besichtigungstour herzlich gedankt. Weber hat zum 1. Juni 2007 eine neue Ausbildung begonnen: Die nächsten zwei Jahre wird er zum Zugführer ausgebildet. Nach 10 Jahren Tätigkeit als Ausbilder, sei es an der Zeit gewesen, etwas Neues zu tun, begründete er seinen Entschluss.
Auf der Homepage www.feuerwehr-stuttgart.de wird sehr ausführlich über die der Feuerwehr Stuttgart berichtet. Zu den Fahrzeugen des Rettungsdienstes der Feuerwehr finden sich auf der Homepage www.rettungsdienst-stuttgart.com weitere Informationen. Autor: nea – Letzte Änderung: 2007-06-07 12:47:37
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