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Berichte
02. März 2003 – Blinder Alarm unterbricht FasnachtszugTrotz Regens sehen knapp 20 000 Zuschauer über 70 Narrengruppen(fvb) Strömender Regen und ein blinder Feuerwehralarm an der Umzugsstrecke: Auch für den erfahrenen Organisator Kurt Köberlin war das gestern "ein etwas anderer Umzug". Trotz des schlechten Wetters waren laut Polizei knapp 20000 Zuschauer in die Altstadt gekommen, um die über 70 Narrengruppen mit 4 000 Teilnehmern zu sehen.
Pünktlich auf die Minute war der Umzug der Vereinigten Konstanzer Narrengesellschaften um 14 Uhr am Lutherplatz gestartet. Doch als die Narren durch die Zollernstraße zogen, löste im Keller des "Hohen Hauses" ein Feuermelder aus. Die Folge: Die Feuerwehr rückte mit einem Löschzug an. Der Umzug war kurz nach seinem Beginn für rund eine halbe Stunde unterbrochen, auch wenn sich das Meldersignal rasch als blinder Alarm entpuppte.
Der Melder hängt im Heizungskeller des Hauses. Da in dem Raum ein Fenster Richtung Zollernstraße aufstand, gab es schnell Gerüchte, künstlicher Rauch einer Fasnachtsgruppe habe den Alarm ausgelöst. Unter anderem die Jakobiner hätten für reichlich Qualm gesorgt, sagten Passanten. Auch die Feuerwehr hielt dies für möglich, konnte die Ursache aber letztlich nicht klären. Vorwürfe mache die Feuerwehr niemandem, erklärte ein Sprecher, es sei eben Fasnacht. Auch bei den Rettern überwog die Erleichterung, dass der Albtraum eines Feuers mitten im Umzug nicht wahr wurde.
Mit einiger Verspätung zog der von den Organisatoren an der Marktstätte gestoppte Zug weiter. Als sich Schlussmann Köberlin an der Lutherkirche auf den Weg machte, zeigte die Uhr schon kurz vor 16 Uhr - da hätte der Zug eigentlich fast beendet sein sollen. Doch Köberlin ließ sich die Laune nicht verderben. Ebenso gut gelaunt zeigten sich zumindest anfangs die knapp 20000 Zuschauer. Froh war, wer einen Regenschirm oder eine Kapuze hatte. Beliebt waren Dachvorsprünge und Hauseingänge. Klemens (21) und Matz (20) aus Wollmatingen hatten sich ein Sofa mit in die Kanzleistraße gebracht - und sahen den Zug auf Plüsch und unterm Schirm.
Die 70 Gruppen mussten dagegen mitten durch den Regen. Die meisten der 4000 Teilnehmer kamen aus der Region, aber auch aus der Schweiz und Freiburg waren Narren angereist. Die einheimischen Gesellschaften und Vereine verulkten zahlreiche kommunale Themen: Die Narrengesellschaft Zeppelin suchte mit großem Fluggerät einen Landeplatz. Die Hofpeter hatten ihren Wagen zu einem großen Bodensee-Dampfer mit kleinem Katamaran im Schlepptau gemacht. Motto: "Seehoheit für die Stadtwerke - alles gehört uns". Die Lausbube hatten in Anspielung auf das von der Stadt untersagte Touristenbähnle lauter kleine Lokomotiven gebaut. Die Altbadener Kellerasseln zogen mit Mietwagen-Chauffeur und Gastronom Jürgen Wiedemann auf einer Rikscha als "Seeteufel" los und boten Freifahrten nach Timbuktu an. Wiedemann verkündete auf seinem Hut frech: "Ein Herz für Dornstein". Dieser Taxi-Unternehmer ist bekanntlich größter Seeteufel-Kritiker im so genannten Konstanzer Taxi-Krieg.
Neben solchen Anspielungen gab es im Umzug wieder viele bunte Gestalten. Mit dabei waren die Traditionsfiguren der alemannischen Fasnacht ebenso wie Phantasiewesen oder Clown-Gruppen. Die Niederdiesler hatten gleich eine ganze Theke auf Rollen dabei; auch andere Gruppen verteilten neben Konfetti auch Suppe, Glühwein und Hochprozentiges.
Trotz solcher Stärkung zogen am Ende zunehmend mehr Besucher durchnässt und frierend vorzeitig nach Hause. Gegen Ende dürften deshalb deutlich weniger als die anfänglich knapp 20000 Zuschauer da gewesen sein, sagte Polizei-Einsatzleiter Joachim Brenke. Viel Arbeit hatten die 13 eingesetzten Beamten nicht mehr, als sich der Umzug auf der Laube Richtung Schnetztor auflöste.
Zwischendurch hatten eine Zuckerkranke und ein kurzzeitig bewusstloses Kind die Polizisten sowie einige der 30 Rotkreuz-Helfer beschäftigt. Doch aus Sicht der Polizei war es am Ende ein problemloser Umzug. Und Organisator Köberlin hatte angesichts von Regen und Verspätung einen tüchtigen Spurt eingelegt, so dass die Polizei die Laube schon gegen 17 Uhr wieder für den Verkehr freigeben konnte.
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