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Berichte

04. Oktober 2004 – Lebensretter im dichten Qualm

Feuerwehr übte in Konstanzer Großdisco "Dance Palace"

(rin) Das Entsetzen stand ihnen ins Gesicht geschrieben: Aus den Notausgängen der Großdiskothek "Dance Palace" rannten Menschen. Sie schrieen, taumelten orientierungslos über den Parkplatz oder sanken entkräftet zu Boden. Durch die offenen Türen war dichter Qualm zu erkennen. So sah das von über 30 Helfern bühnenreif umgesetzte Ausgangszenario für eine Großübung der Konstanzer Feuerwehr am Montagabend aus.
Der "Dance Palace" ist mit seinen 1 600 Quadratmetern Fläche eine der beiden Großdiscos in Konstanz. An einem Samstagabend tummeln sich hier bis zu 2 000 Menschen. Ein angenommener Brandausbruch während des Tanzbetriebs mit sehr starker Rauchentwicklung stellte die Züge 3 und 7 der Konstanzer Feuerwehr vor große Herausforderungen.
Bevor die Einsatzkräfte überhaupt zur Brandbekämpfung und Menschenrettung ins Gebäude vordringen konnten, mussten sie sich um Gäste kümmern, die in Panik aus der Disco flohen. Sie mussten sie beruhigen, beatmen und manchmal auch mit Körpereinsatz davon abhalten, zurück ins Gebäude zu rennen. In der Hoffnung, eine Freundin, die Tochter oder einen anderen Bekannten retten zu können, reißen sich in solchen Notlagen tatsächlich immer wieder Menschen los und stürzen zurück in Brandräume. Im Getümmel bei der Übung gelang dies einer Frau. Im Ernstfall hätte sie diese Kurzschlusshandlung vermutlich das Leben gekostet. Im Qualm, der für die Übung aus sieben Nebelmaschinen kam, hätte sie nach wenigen Schritten die Orientierung verloren. Rauchgase hätten sie dann schnell das Bewusstsein verlieren lassen.
Die mit Atemluft ausgerüsteten Einsatzkräfte der Feuerwehr bewegten sich im dichten Qualm nur mehr krabbelnd. Zur Orientierung legten sie Schnüre durch den Raum. Irritationen bereiteten die allen Schutzgesetzen entsprechenden Türen zu den Notausgängen. Sie lassen sich nur von Innen durch farbig beleuchtete Notknöpfe öffnen. Im dichten Qualm aber durchschauten selbst Feuermänner zunächst den Mechanismus nicht. Im Ernstfall allerdings ist davon auszugehen, dass das Personal die Türen schon geöffnet hat, bevor die Feuerwehr eintrifft.
Im Ernstfall wäre es auch über einen Nothebel möglich gewesen, Lichtkuppeln zu öffnen, durch die Rauch abziehen kann. Bei der Übung wurde darauf bewusst verzichtet. Die Feuerwehr sollte ja den Einsatz im dicken Qualm trainieren. Im Ernstfall würden zudem Schnelleinsatzgruppen (SEG) mit jeweils 15 Sanitätern alarmiert, von denen es in Konstanz und Singen jeweils zwei gibt. Bis 20 Minuten nach der Alarmierung sollen die ersten Gruppen an der Einsatzstelle sein. Bis dahin müssen oft Feuerwehrmänner die Erstversorgung von Verletzten übernehmen. "Leben retten ist immer vordringliche Aufgabe", stellt Feuerwehrsprecher Nikolaj Schutzbach fest.
In einem Punkt hatte es die Feuerwehr leichter als einem tatsächlichen Discotag. Bei der Übung war der Parkplatz vor dem "Dance Palace" nahezu leer. Die Feuerwehr hatte viel Raum für ihre Wagen und die Betreuung der "Verletzten". Bei der Einsatzbesprechung fragten sich Feuerwehrleute, wie sie ihre Aufgaben hätten bewältigen sollen, wäre der Parkplatz (bis auf die vom Brandschutz vorgeschriebenen Zufahrtswege) mit Autos zugestellt gewesen. Dieses Problem soll nochmals extra besprochen werden.
Betriebsleiter Marco Lauro stellte seine Disco gern für die Übung zur Verfügung: "Dann weiß ich, was abläuft, wenn wirklich mal was passiert." Er sei dankbar für jeden Hinweis, wie sich die Sicherheit über die gesetzlichen Standards weiter verbessern lässt. Um im Falle eines Falles die Aufgabe für die Feuerwehr zu erleichtern, rüstet Marco Lauro als einer der ersten in Deutschland, den "Dance Palace" mit einer besonderen Anlage aus: Mit ihr kann die Feuerwehr auf Knopfdruck die Musik auf allen Etagen abstellen und über ein Mikrofon zu den Gästen sprechen.

Foto-Galerien

Martin U. Scheerer (1/4)
Martin U. Scheerer (2/4)
Martin U. Scheerer (3/4)
Martin U. Scheerer (4/4)
Oliver Hanser
Claudia Rindt


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