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Berichte
06. Oktober 2006 – Lastwagen kracht in GefahrgutbehälterÜbung des Gefahrgut-Zuges bei Agrana – Besichtigung bei LebensmittelverarbeiterDas Unternehmen
Das Unternehmen Agrana ist in der Lebensmittelbranche tätig. Die Konstanzer Niederlassung ist aus der Deutsch-Schweizerischen Früchteverarbeitung (DSF) hervorgegangen. Sie liegt zwischen Lilienthal- und Byk-Gulden-Straße. Hier werden hauptsächlich die meist tiefgefroren angelieferten Früchte zu Fruchtzubereitungen für Joghurts verarbeitet. Dabei werden die Früchte mit Zucker, Bindemittel und Geschmacksstoffen versetzt. Im Konstanzer Labor werden auch neue Geschmacksrichtungen entwickelt. Die Früchte stammen aus allen Teilen der Welt. Auch die Lieferung der Fruchtzubereitungen erfolgt in die ganze Welt.
Zur Reinigung und Desinfektion der Transportbehälter betreibt Agrana eine Reinigungsanlage. Die Gefäße werden mit Säuren und Laugen ausgespült. Die Gebindegrößen betragen bis zu 800 Liter. Die Gefahrstoffe werden in speziellen Lagern im Keller unterhalb der Waschanlage aufbewahrt. Der Betrieb hat eine eigene Abwasseraufbereitungsanlage. Zufahrten aufs Betriebsgelände gibt es von beiden Straßen aus. Von Montag bis Samstagmorgen wird in drei Schichten gearbeitet. Zwei Schichten produzieren, in der dritten (nachts) wird gereinigt. Auf dem Hof erfolgt auch die Anlieferung der Gefahrgutgebinde sowie das Zwischenlagern bis zu Einlagerung in die entsprechenden Lager.
Die Übung
Gegen 19 Uhr fährt ein Lastwagen mit Gefahrgut in den Hof ein. Als er einem Fußgänger ausweicht, prallt er gegen mehrere Tankgebinde (600 bis 800 l) auf Paletten, die im Hof zwischengelagert sind. Einige Tanks mit Säuren und Laugen – auch auf dem Fahrzeug – werden beschädigt, einer läuft aus. Es treten helle Dämpfe aus, in der Luft ist ein stechender Geruch zu bemerken. Ein Mensch wird unter einem Fass eingeklemmt, ein weiterer bricht am Tor zusammen. Beide sind bewusstlos.
Vom Betrieb aus wird die Freiwillige Feuerwehr alarmiert. Der Gefahrgut-Zug rückt aus. Mit ihm werden laut Alarm- und Ausrückeordnung die Löschbereiche Wollmatingen (Brandschutz) und Allmannsdorf (Dekontamination) sowie die Führungsgruppe alarmiert. Der Wind weht laut Übungsannahme aus Nord. Somit werden Fahrzeugaufstellung und Angriffsweg in der Lilienthalstraße gelegt.
Klaus Wehner, Leiter des Gefahrgutzuges, schickt als erstes einen Trupp unter Pressluftatmern zur Menschrettung und Erkundung vor, da seine Ersterkundung ergeben hat, dass relativ wenig Flüssigkeit austritt. Parallel hierzu lässt er weitere Maßnahmen vornehmen: Um die Ausbreitung in die Kanalisation zu verhindern, werden Kanaleinläufe abgedeckt, ein Trupp wird mit Chemikalienschutzanzügen (CSA) ausgerüstet, ein Not-Deko-Platz eingerichtet und der Brandschutz sichergestellt. Später erweitern die Kräfte des Löschbereichs Allmannsdorfs die Not-Deko zu einer vollwertigen Dekontaminationsstelle.
Der zuerst ausgeschickte Trupp befreit die Person unter dem Fass und rettet sie. Jenseits der Absperrung wird das "Opfer" zur Verletztensammelstelle gebracht. Der inzwischen eingetroffene Brandmeister vom Dienst, Klaus Koch, übernimmt die Einsatzleitung, unterstützt von der Führungsgruppe mit dem Einsatzleitwagen.
Zwei Trupps unter CSA suchen derweil nach einer zweiten Person, suchen nach Frachtpapieren und dichten die vorhandene Lecks ab. Die Frachtpapiere und die aufwändige Erkundung an den Behältern ergibt, dass diese Reinigungsmittel und 32-prozentige Salzsäure enthalten.
Ein sachkundiger Mitarbeiter unterstützt den G-Zug bei der Planung. Der Einsatzleiter lässt weitere Gefahrguteinheiten im Landkreis alarmieren (nicht real ausgeführt), um Ablösekräfte bereitzustellen.
Das Ende
Nachdem beide Personen "gerettet" und eine stabile Lage hergestellt worden war, wurde die Übung nach einer ausführlichen Lagebesprechung abgebrochen.
Nach dem Aufräumen führte Florian Ströbele, der Auszubildender bei Agrana ist und die Übung vorbereitet hatte, durch den Betrieb. Für die Feuerwehrfrauen und -männer gab es dabei sehr aufschlussreiche Informationen über Verarbeitungsmethoden in der Lebensmittelbranche.
Hans-Jürgen Oexl, Stellvertretender Zugführer des G-Zuges, lobte die Mannschaft für ihre gute Arbeit. "Es gibt nur wenig Kritikpunkte", sagte er. Besonders erfreute ihn, dass die verschiedenen Einheiten so gut zusammengearbeitet hatten.
Autor: nea – Letzte Änderung: 2006-10-12 15:35:44
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