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Berichte

09. Juni 2004 – "Brandrauch" schnitt Patienten den Fluchtweg ab

Alarmübung – Fünfzehn "Schwerverletzte" bei Brand in psychiatrischer Klinik

Fotos: Martin U. Scheerer
(Volker Schulz/nea) Ein brennender Wäschetrockner sorgte am Abend kurz nach 20.30 Uhr für starke Verrauchung in weiten Bereichen einer Station für Suchtkranke im Zentrum für Psychiatrie Reichenau (ZPR), so die Annahme einer groß angelegten Alarmübung im Haus 4. Die schnelle Rauchausbreitung schnitt Patienten den Fluchtweg ab, viele wurden bewusstlos, und blieben im Rauch liegen.
Als die ersten Feuerwehrleute kurze Zeit später eintrafen, trat Rauch – dargestellt durch Theaternebel – aus Fenstern auf der Gebäudevorderseite. Die Dienst habenden Pflegekräfte teilten den Wehrleuten mit, dass sich noch rund 15 Personen im Gebäude befinden. Vier "Opfer" konnten sich verletzt, so die Übungsannahme, ins Freie retten. Unter Schwerem Atemschutz gingen die Angehörigen der Werkfeuerwehr des ZPR vor. Die gleichfalls alarmierten Feuerwehren Konstanz und Reichenau unterstützen kurze Zeit später die Werkfeuerwehr.
Die Suche nach den Vermissten in dem verrauchten, lang gestreckten Gebäude gestaltete sich aufwändig. Die Feuerwehrleute brachten die "Verletzten" über das Treppenhaus und über Leitern ins Freie. Dort konnten sie den Rettungsdiensten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Malteser Hilfsdienstes übergeben werden. Die hinzugezogene Klinikleitung des ZPR organisierte die weitere Betreuung der Patienten, die nicht in eines der umliegenden Krankenhäuser eingeliefert werden mussten, in benachbarte Stationen. Die Polizei nahm – symbolisch – die Ermittlungen auf.
Außer den Mitarbeitern und Patienten der Station, den Verletztendarstellern von DRK, Technischem Hilfswerk und Patienten sowie wenigen Verantwortlichen, wusste vorher niemand von der Übung, sodass die Leitstelle und auch die eingesetzten Kräfte lange Zeit von einem realen Einsatz ausgingen.
Ziel der geheimen Alarmübung unter Leitung des stellvertretenden Kommandanten der ZPR-Werkfeuerwehr, Volker Schulz, war die Beobachtung der Abläufe bei einem größeren Schadenereignis. Nur so sei feststellbar, was Einsatzkräfte und Personal bei einem Großbrand auf einer psychiatrischen Krankenstation erwarte. Die gesamte Übung werde in den nächsten Tagen analysiert und bewertet, erklärte Schulz. Daraus ergäben sich die Schwerpunkte für die Ausbildung in naher Zukunft, so Schulz weiter. Die rund 80 Einsatzkräfte konnten sich anschließend bei einem kleine Imbiss von den Strapazen erholen.

Foto-Galerien

Martin U. Scheerer (1/2)
Martin U. Scheerer (2/2)
Bernd und Ferdinand Oser (1/2)
Bernd und Ferdinand Oser (2/2)


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