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Berichte

15. Januar 2004 – Zahl der "Freigestellten" sinkt

Katastrophenschutz wäre von Wehrpflichtwegfall betroffen – Auch Freiwilligkeit nimmt ab

Neben Wehrdienst und Zivildienst besteht auch die Möglichkeit der "Freistellung zum erweiterten Katastrophenschutz". Die Zahl dieser Sonder-Feuerwehrmänner nimmt seit Jahren ab. Aber auch das ehrenamtliche Engagement lässt deutlich nach, wie Feuerwehrkommandant Quintus bilanziert.
Wenn ein Lastzug mit Tonnen giftiger Fracht umfällt, ein Kesselwagen voller Benzin brennt oder ein Schiff untergeht, kommt die Feuerwehr. Die Männer und Frauen der Wehr tragen alle die gleichen Uniformen. Einige der Männer aber sind sogenannte "Freigestellte". Sie leisten keinen Wehrdienst und keinen Zivildienst, sondern stehen dem "erweiterten Katastrophenschutz" zur Verfügung. Vor einigen Jahren, als der Grundwehrdienst noch 15 Monate dauerte, mussten sie sich auf zehn Jahre bei der Feuerwehr verpflichten. Heute sind es sechs Jahre mit jährlich 150 bis 200 Mindestpflichtstunden. In Konstanz sind derzeit 16 von 300 Aktiven sogenannte "Freigestellte", Tendenz sinkend. Vor zehn Jahren wählten noch etwa doppelt so viele junge Männer diesen anstrengenden Einsatzdienst.
Mit einem Wegfall der Wehrpflicht und des Zivildienstes, wie derzeit in der rot-grünen Bundesregierung erörtert, würde auch dieser Dienst an der Allgemeinheit entfallen. "Das bereitet uns keine Probleme", sagt der Kommandant der hiesigen Feuerwehr, Stadtbrandmeister Dieter Quintus. Zwar leisteten die "Freigestellten" engagierte Arbeit; doch weil angesichts des Schrumpfungsprozesses der Bundeswehr immer weniger Wehrdiensttaugliche tatsächlich eingezogen werden, lassen sich nur noch wenige junge Männer auf eine sechsjährige Verpflichtung im Katastrophenschutz ein. Bisher wurde diese Alternative vor allem von FH-Studenten und einigen Uni-Studenten gewählt, die Interesse etwa am fachverwandten Gefahrgutwesen hatten oder ohne Zeitverlust ihr Studium absolvieren wollten. Derzeit sind vier von auswärts stammende Freigestellte in der Konstanzer Wehr aktiv, die hier ihr Studium absolvieren.
Quintus bewertet die Entwicklungen kritisch: Nicht nur die Bereitschaft zur sechsjährigen Verpflichtung lasse nach. Generell habe die Feuerwehr zunehmende Probleme, geeigneten Nachwuchs für den freiwilligen und auf Dauer angelegten Dienst am Mitmenschen zu gewinnen. "In der Jugendfeuerwehr der 10- bis 18-Jährigen haben wir eine sehr hohe Fluktuation", berichtet er. Aber auch junge Erwachsene binden sich nicht mehr gerne langfristig an die Feuerwehr.
Die Gründe sind vielfältig: Das verlockende Freizeitangebot der "Fun-Gesellschaft", die hohe Mobilität im Arbeitsleben, die nachlassende emotionale Verbindung mit dem Wohnort, der nicht mehr als Heimat empfunden wird, spielen eine Rolle. "Wer im Job gut ist, hat wenig Zeit, und so fehlt uns auch der geeignete Führungsnachwuchs." Die düstere Prognose des Feuerwehrchefs lautet: "In 15 Jahren ist das System der Freiwilligen Feuerwehren gestorben."
Tobias Engelsing, SÜDKURIER


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