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Berichte
15. Mai 2004 – "Für verrückt erklärt"Herbert Schenk über die Partnerschaft zu Tábor
Herbert Schenk war vor 20 Jahren einer der Wegbereiter der Städtepartnerschaft zwischen Konstanz und Tábor in den Tschechischen Republik. Der heute 72-Jährige war seit 1966 als Vertreter von Luftmatratzen und anderen Freizeitartikeln aus tschechischer Produktion häufig in Prag. Wegen seiner Kontakte über den Eisernen Vorhang hinweg gehörte er zu den ersten Ansprechpartnern, als das Hus-Haus in Konstanz Verbindungen nach Tschechien knüpfen wollte.
Sie waren mitten im Kalten Krieg Grenzgänger zwischen Deutschland und der damaligen Tschechoslowakei. Wie ist es denn dazu gekommen?
Ich war ursprünglich Vertreter der italienischen Firma Pirelli, die dann aber einen Produktionszweig einstellte. Sie hat mich an Fertigungsstellen in Tschechien verwiesen.
War es damals schwer über die Tschechoslowakei Handel zu treiben?
Ja, und wie! Auf Visa musste man wochenlang warten und am Anfang habe ich die auch nur über die Schweiz bekommen. Ich glaube, nach einem Jahr wurde mir erstmals von deutscher Seite ein Visum ausgestellt.
Ihre eigentliche Anlaufstelle war ja Prag, wie sind Sie denn dann auf Tábor gestoßen?
Über das Konstanzer Hus-Haus. Ich wurde gebeten, Kontakte nach Tschechien herzustellen. Es ging um die Rennovation des Hus-Hauses. Damals war es sehr heruntergekommen. Einheimische wie Touristen sprachen vom Schandfleck. Anfang der 70er-Jahre knüpfte ich erste Kontakte zur Hus-Gesellschaft in Prag. Die Stadt forcierte die Rennovation des Hus-Hauses. Der Auftrag für den teilweisen Abriss und Wiederaufbau ging 1979/80 an die Kunstwerkstätte in Tábor. Dessen Generaldirektor war Karel Bican, der spätere Bürgermeister von Tábor. Zwischen den Handwerkern aus Konstanz und Tábor haben sich gute Kontakte entwickelt. Das war die Urzelle der Partnerschaft. Dabei gab es immer jemanden von Tschechischer Seite, der als Aufpasser dabei war. Die Handwerker aus Tábor sollten mit denen aus Konstanz nicht einmal an einem Tisch sitzen. Man hat sich aber nicht daran gehalten.
Wie ging es dann weiter?
Es hat sich ein Zirkel gebildet, dem der frühere Leiter der Polizeidirektion Hans Stather, Stadtbaumeister Herbert Kölsch, der heutige Leiter des Hochbauamts Johannes Kumm, der frühere Stadtrat Willi Scheideck und der frühere Bürgermeister Werner Dirks angehörten. Wir sind zur deutschen Botschaft in Prag und haben gesagt, wir wollen eine Städtepartnerschaft mit Tábor aufbauen. Die haben uns damals für verrückt erklärt. Botschafter Diesel sagte uns, sie hätten das schon 20 mal versucht und seien 20 Mal gescheitert. Ihr werdet die 21. sein, die scheitern, hat man uns damals prophezeit.
Und warum haben Sie da nicht aufgegeben?
Ich war so vom Gedanken überzeugt, das ist was Gutes. Dabei habe ich mich auch ganz schön in die Nesseln gesetzt. Wer mit Kommunisten zusammenarbeitet ist selbst ein Kommunist, hat man mir damals vorgeworfen. Aber ich habe auch Unterstützung bekommen, vor allem bei Andreas Renner, dem heutigen Oberbürgermeister von Singen, damals Vorsitzender der Jungen Union, aber auch bei Handwerkern, Vereinen und der Feuerwehr. Karel Bican musste als Bürgermeister einiges einstecken, weil er den Kontakt zu Konstanz wollte. Er ist damals vom Regime immer wieder zurück gepfiffen worden. Er ist persönliche Risiken für die Partnerschaft eingegangen. Er hat den Ehrenring der Stadt Konstanz wirklich verdient.
Wie sehen Sie die Partnerschaft heute?
Mich freut es, dass damals der Stein ins Rollen gekommen ist und er heute solche Dimensionen bekommen hat.
Was bedeutet Tábor heute für Sie?
Das ist mein Steckpferd, das ist mein Kind. Ich habe noch heute viele Bekannte und Freunde in Tábor.
Nachgefragt hat Claudia Rindt
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