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Berichte

16. April 2010 – Dieser Platz hat einen Haken

Falschparker gefährden Leben

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Niederburg: Zufahrt in die Klostergasse versperrt
Foto: hwr (16. April 2010)
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Falschparker parkt um und parkt sein Auto mitten auf der Straße
Foto: hwr (16. April 2010)
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Zogelmannstraße - Falschparker im Kurvenbereich - kein Durchkommen
Foto: hwr (16. April 2010)
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Mayenfischstraße - Kurve nicht passierbar
Foto: hwr (16. April 2010)
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Klostergasse - zum Zweiten
Foto: hwr (16. April 2010)
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Klostergasse - Haken
Foto: hwr (16. April 2010)
Brand in Konstanz, drei Personen im Dachstuhl vom Feuer eingeschlossen und erstickt, Drehleiter zur Menschenrettung kam wegen Falschparkern nicht an das Objekt – so könnte eine Medieninformation der Feuerwehr Konstanz beginnen. Denn nach Erkenntnissen der Feuerwehr haben wir Konstanzer und unsere Gäste zum Teil eine Parkmoral, die dem nüchternen Beobachter das Blut in den Adern gefrieren lässt.
Deshalb führen Bürgeramt und Feuerwehr regelmäßig gemeinsame Befahrungen kritischer Bereiche im Stadtteil Altstadt und Paradies durch. Mit der Drehleiter wird überprüft, an welchen Stellen im Stadtgebiet kein Durchkommen mehr besteht. Hierbei soll aufgeklärt werden. Die Beobachter sollen erkennen, warum Falschparken tödlich sein kann. Eine weitere dieser Falschparker-Aktionen fand am 16. April statt. Bewaffnet mit einer Drehleiter begaben sich Feuerwehr und Bürgeramt auf eine Stadtrundfahrt der besonderen Art.

Erste Station: Schreibergasse – Ecke Klostergasse

Im Herzen der Niederburg befindet sich eine besonders neuralgische Stelle: Der Einmündungsbereich der Schreibergasse in die Klostergasse lässt sich nur befahren, wenn dort außerhalb der markierten Parkflächen keine Fahrzeuge abgestellt sind. Die Parkflächen sind dort so ausgezirkelt, dass den Belangen der Anwohner auf Parkraum und den Interessen der Sicherheit so weitgehend wie möglich Rechnung getragen wurde. Steht dort jedoch ein einziges Auto falsch, dann wird es für die Anwohner der Klostergasse und der Konradigasse eng. Denn diese Straßen lassen sich mit der Drehleiter aufgrund der Kurvenradien nur über diesen Zufahrtsweg erreichen.
Prompt stoßen wir genau an dieser Einmündung auf einen geparkten Pkw. Dieser blockiert nicht nur zwei ordnungsgemäß abgestellte Fahrzeuge, sondern gleich die ganze Durchfahrt. Versuche, den Halter telefonisch zu erreichen, schlagen fehl. Um dem Fahrer eine letzte Chance zu geben, lassen wir das Martinhorn der Drehleiter mehrfach durchlaufen – keine Reaktion. Als das Bürgeramt gerade den Abschleppwagen bestellen will, erscheint eine Person und gibt an, der Fahrer des Fahrzeuges habe ihn geschickt, denn dieser selbst sei alkoholbedingt nicht mehr fahrtauglich. Er setzt sich in sein Auto, startet, fährt in den Einmündungsbereich der Konradigasse, stellt mitten auf der Straße den Motor ab, steigt aus, schließt das Fahrzeug ab und will gehen. Mit einer Eselsgeduld erklären ihm die Mitarbeiter des Bürgeramtes, dass es in mitteleuropäischen Breiten nicht Usus und überdies auch nicht erlaubt ist, ein Auto mitten auf die Straße zu stellen und dort zu parken. Es dauert erstaunlich lange und fordert bemerkenswerte Selbstbeherrschung, diesem Mitbürger sein falsches Handeln klarzumachen und ihn endgültig von der Stelle zu bewegen.

Station 2 – rund um das Stadttheater

Auch hier stellen die Behörden regelmäßig abgestellte Fahrzeuge fest, offensichtlich versteht manch ein Theaterbesucher unter Kunstfreiheit auch diejenige, sein Auto bis fast in das Foyer hinein mitzunehmen. Dass man damit Aufstell- und Bewegungsflächen der Feuerwehr blockiert, ist den Tätern nicht klar. Heute haben wir Glück und werden an dieser Stelle nicht fündig.

Station 3 – Zollernstraße und Hofhalde

Diese beiden Straßen stellen für die Feuerwehr einen äußerst wichtigen Zufahrtsbereich in die Altstadt dar. Schon oft hat es hier gebrannt, letztmals am Ostersonntag in der Stephanskirche. Aber auch hier finden wir immer wieder Fahrzeuge, die außerhalb markierter Parkflächen abgestellt sind. Diese sind dann ein Fall für den Haken des Abschleppwagens. Heute haben wir Glück und kommen unbehindert durch.

Station 4 – Stadelhofen Scheffelstraße/Zogelmannstraße

In Stadelhofen sind die Straßen teilweise noch enger, als in der Altstadt. Die historische Bausubstanz und die Nachverdichtung der Wohnbebauung bedingen jedoch ein nicht zu unterschätzendes Potenzial. Erst am 26.02. waren wir mit dem Löschzug hier zum Brandeinsatz und wären fast nicht durchgekommen. Gleich an der ersten Einmündung in der Zogelmannstraße ist die Fahrt zu Ende. Ein Pkw mit ausländischem Kennzeichen steht im Einmündungsbereich, die Drehleiter hängt fest. Der Fahrer erscheint und zahlt vor Ort sein Bußgeld und fährt weg. Für einen Bewohner einer brennenden Wohnung hätte dieser Zeitverzug in der Anfahrt von 10 Minuten im Brandfall schwerwiegende bis tödliche Konsequenzen.

Station 5 – Paradies

Die nächste Runde drehen wir durch das Paradies. Im Bereich der Gottlieber Straße, der Turnierstraße und der diese verbindenden Querverbindungen prüfen wir die Abbiegemöglichkeiten mit der Drehleiter. Im Kreuzungsbereich Feldstraße/Mayenfischstraße stehen die Autos kreuz und quer, ein Durchkommen ist nicht möglich. Man hat uns bemerkt, doch das in Kompaniestärke vor Ort anwesende Bürgeramt schafft es, alle falsch stehenden Fahrzeuge zu verwarnen, bevor die Fahrer mit ihren Autos verschwinden. Das Abbiegen von der Turnierstraße in die Feldstraße scheitert, weil auf der gegenüberliegenden Seite Fahrzeuge falsch geparkt der Drehleiter das Ausholen zum Einbiegen nicht ermöglichen. „Ich wollte doch nur mal kurz...“, hört man jemanden sagen. Die goldene Regel lautet: 17 Minuten nach Brandausbruch hat eine eingeschlossene Person keine Überlebenschance mehr.
In der Einmündung zum Friedrich-Pecht-Weg steht der nächste „Kunde“. Ein Passieren der Kurve ist nicht möglich. Das Bürgeramt ermittelt den Halter und klingelt dessen Familie aus dem Haus. Ein Nachbar muss das Auto wegstellen, mangels Fahrtüchtigkeit. Im Einsatzfall hätten wir nicht einmal die Möglichkeit gehabt, das Auto aufzubrechen und wegzuschieben, denn es wäre kein Platz vorhanden gewesen, wohin man es hätte hinschieben können. Das 600;nbsp;000 Euro teure Hubrettungsgerät wäre nutzlos auf der Anfahrt stecken geblieben. Pech für diejenigen, deren Leben von der rechtzeitigen Ankunft abhängig gewesen wäre.

Station 6 – zurück in die Niederburg

Zum Abschluss fahren wir nochmal in die Niederburg – dorthin, wo unsere Aufklärungs- und Überprüfungsfahrt begonnen hatte. Wir finden – es war vorauszusehen – im Einmündungsbereich der Schreibergasse zur Klostergasse ein falsch abgestelltes Auto. Die Drehleiter steht. Der Halter ist nicht zu erreichen. Das Bürgeramt ordert den Abschleppdienst, der das Fahrzeug an den Haken nimmt. Zwischen der Verständigung des Abschleppers und der Entfernung des Fahrzeuges vergehen zwanzig Minuten. Von der Entdeckung eines Brandes bis zur Rettung der Person dürfen nach medizinischen Erkenntnissen maximal 17 Minuten vergehen. Schlechte Karten für denjenigen, der nicht nur „mal eben etwas ausladen“ wollte, sondern der in einer brennenden Wohnung im Dachgeschoss eingeschlossen ist, dem der Brandrauch die Sinne trübt und der in dieser Situation um das blanke Überleben kämpft.
Autor: hwr – Letzte Änderung: 2010-04-17 10:42:57


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