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Berichte

19. Oktober 2004 – Kriechen, tasten, suchen

Feuerwehrübung auf Great-Lakes-Gelände

(rin)Sie mussten sich durch Qualm und verwinkelte Räume tasten. Bei einer gemeinsamen Übung auf der still gelegten Industrieanlage des Chemieunternehmens "Great Lakes" standen Einsatzkräfte der Konstanzer und die Reichenauer Feuerwehr vor einer schwierigen Aufgabe: Aus einem riesigen verqualmten, unbeleuchteten Gebäudekomplex sollten sie acht Puppen als "Verletzte" finden und ins Freie bringen.
"Die werden lang brauchen. Die Dummys sind ganz gemein versteckt", prophezeite Dietmar Korn. Er hatte zusammen mit Rainer und Dietmar Schächtle die Regie bei der Übung in den stillgelegten Produktionshallen übernommen. Ihr Ausgangsszenario war ein Brand in den Kellerräumen. "Es ist gut gelaufen", stellte Hendrik Roggendorf von der Führungsgruppe nach Anschluss des komplizierten Übungseinsatzes fest.
Die relativ neu gegründete Gruppe der Konstanzer Feuerwehr übernahm am Einsatzort Koordinationsaufgaben. Sie studierte Lagepläne vom Gebäude und unterteilte es in Abschnitte: In einen, den Feuerwehrleute aus Konstanz durchsuchten und in einen anderen, den Einsatzkräfte von der Reichenau durchkämmten. Jedem Abschnittsteam wurde ein eigener Funkkanal zugewiesen. Der Einbezug der Reichenauer habe reibungslos funktioniert, stellte Hendrik Roggendorf fest. Jedes Jahr übt Konstanz zusammen mit der Insel-Wehr. Beide Seiten wollen vorbereitet sein, sollte bei einem Großeinsatz Nachbarschaftshilfe gefordert sein.
Vor allem Retter, die mit Schutzmasken und 18 Kilogramm schweren Atemluftflaschen auf dem Rücken ins stockdunkle Gebäude tasteten, mussten Schwerstarbeit leisten. In den verrauchten Räumen sahen sie auch im Lichtkegel von Handscheinwerfern nichts. Um keinen Verletzten zu übersehen und sich selbst in den unbekannten Räumen nicht zu gefährden, gingen Feuerwehrmänner in die Knie: Kriechend erkundeten sie die Räume, tasteten sich zunächst an der Wand entlag, dann in immer engeren Kreisen bis in die Raummitte vor. Hinter sich zogen sie eine Orientierungsleine, die sich immer wieder verhakte. Jeder abgesuchte Raum wurde mit reflektierenden Bändern markiert.
Dieses systematische Absuchen eines unübersichtlichen Gebäudes stand bei der gemeinsamen Übung im Mittelpunkt. In realen Fällen hat es die Feuerwehr oft nur mit ein bis zwei verrauchten Räumen zu tun. Sie setzt dann Riesenventilatoren ein, um den Abzug des Rauchs, etwa durch ein offenes Fenster, zu beschleunigen. Wer aus einem brennenden Raum flieht, kann durch Schließen der Türe ein Ausbreiten der lebensgefährlichen Rauchgase im ganzen Gebäude verhindern, erinnert Hendrik Roggendorf. Wer aus einem brennenden Raum nicht mehr herauskommt, sollte versuchen, das Fenster zu erreichen. Von dort aus ist es oft möglich, auf sich aufmerksam zu machen und über die Leiter gerettet zu werden. Bis eine ohnmächtige Person in einem verqualmten Großbau gefunden ist, kann Zeit vergehen. Im Übungsfall dauerte es mehr als eine Stunde, bis die letzte Puppe ins Freie gebracht war.
Foto-Galerie


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