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Berichte
20. Oktober 2003 – Hilferufe hallten über die ReichenaustraßeGemeinschaftsübung der Feuerwehren Konstanz und Kreuzlingen in Great Lakes( rin) Hinter Fenstern und auf Balkonen flackerten Fackeln, Hilferufe hallten bis über die Reichenaustraße. Die Feuerwehren Konstanz und Kreuzlingen haben am Montagabend die leer stehenden Fabrikhallen von Great Lakes für eine Gemeinschaftsübung genutzt. Über 100 Helfer waren im Einsatz, um den angenommenen Großbrand im fünfstöckigen Hauptgebäude zu bekämpfen und daraus 17 Menschen zu retten.
Die ersten Feuerwehrwagen vor Ort blieben auf Sicherheitsabstand zum Gebäude. Eine Vorhut klärte, als was sie den Übungsplatz anzusehen haben. Eine wichtige Frage, denn die Übungsleiter Klaus Koch und Bernd Oser hatten zwar das ehemalige Chemiewerk als Einsatzort ausgesucht, dort aber einen Großbrand in einem normalen Wohnhaus inszeniert.
Mit einfachen Mitteln wurde der Brandfall in Szene gesetzt: Im Treppenhaus waberte Theaternebel, mehrere Menschen im Haus hielten brennende Fackeln in der Hand. Sie deuteten so an, von Flammen eingeschlossen zu sein. Auf einem Balkon brannte es tatsächlich. Einer der Helfer hielt dort einen kleinen Strohhaufen am Kokeln.
Als besondere Herausforderung mussten sich Einsatzkräfte an mehreren Stellen erst den Weg freilöschen, bevor sie zu den von Flammen eingeschlossenen Menschen vordringen konnten. Atemschutzträger standen vor der schweißtreibenden Aufgabe, Menschen über mehrere Stockwerke ins Freie zu tragen. Theaternebel behinderte dabei die Sicht. Bewohner, die sich aufs Flachdach gerettet hatten, mussten mit der Drehleiter zu Boden gebracht werden. Mehrfach gingen am Gebäude Böller hoch. Sie zeigten Explosionen an, wie sie bei Großbränden in Wohngebäuden häufig vorkommen, etwa wenn eine Sprühdose überhitzt.
Um 19.35 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert, gegen 20 Uhr war die erste Person aus dem Gebäude gerettet, etwa eine halbe Stunde später waren es alle 17 Menschen.
Klaus Koch zeigte sich mit der Zusammenarbeit der Einsatzkräfte sehr zufrieden. Die Fahrzeuge seien klug so abgestellt worden, dass der Haupteingang für die Retter frei blieb und auch der Wagen mit der Drehleiter nicht behindert wurde. Auch die Entscheidung der Sanitäter, mit ihrem Lager auf die andere Seite der Reichenaustraße zu gehen, sei aus Platzgründen richtig gewesen.
Die Schweizer Feuerwehr bekam einen Gebäudeabschnitt zugewiesen, agierte hier eigenständig. Die Ergebnisse ihres Einsatzes übermittelte sie an einen Verbindungsmann mit deutschem Funkgerät. Der informierte die Konstanzer Kollegen. Da die Feuerwehren in Deutschland und in der Schweiz mit unterschiedlichen Systemen funken, hat sich bei gemeinsamen Einsätzen der Verbindungsmann etabliert.
Zwei- bis dreimal im Jahr üben Retter aus Konstanz und Kreuzlingen zusammen, fast immer lernen sie Neues hinzu, dieses Mal vor allem die Sanitäter. Bei der Erfassung geretteter Personen arbeiten die Kollegen aus Kreuzlingen und Konstanz mit unterschiedlichen Formularen. Ein Geretteter bekommt bei den Schweizern zunächst eine Nummer, der Name wird erst erfasst, wenn Zeit dazu ist. Die Deutschen dagegen setzen sofort auf den Namen, auch wenn es oft schwer ist, sich im Trubel des Geschehens um die richtige Schreibweise zu kümmern. Das Schweizer Nummernsystem überzeugte Dirk Allgaier von den Maltesern sofort. Er entschied sich spontan, es für die Übung zu übernehmen.
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