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23. Juni 2001 – Gefahrgut- und Chemiewehrübung
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23. Juni 2001 – Schweizer Feuerwehrzug darf über Grenze
Konstanzer und Thurgauer Feuerwehren üben Einsatz nach Eisenbahn-Unfall
(fvb) Täglich fahren mit Chemikalien beladene Kesselwagen über die Konstanzer Gleise – was zu tun ist, wenn so ein Wagen verunglückt, haben Feuerwehrleute und Eisenbahner aus Konstanz und dem Thurgau trainiert. Am Übungsort bei Tägerwilen kam ein Schweizer Rettungszug zum Einsatz. Die Helfer versicherten: Im Ernstfall darf dieser über die Grenze.
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An der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Weinfelden befindet sich die Verladestation für die Chemiewehr-Container. Zuerst mussten die Abfallbehälter (links) von den Eisenbahnwaggons abgeladen weden, bevor die Behältnisse der Chemiewehr Thurgau verladen werden konnten. Fotos: Hendrik Roggendorf
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Der Alarm am Samstagmorgen kam für viele Retter überraschend. Wie immer hatten die Feuerwehrkommandanten die grenzüberschreitende. Großübung nicht angekündigt. Auf einem stillgelegten Gleis kurz vor dem alten Bahnhof Tägerwilen Dorf bot sich den eintreffenden Feuerwehrleuten ein schlimmes Szenario: Aus einem verunglückten Kesselwagen läuft ätzende Essigsäure aus, Dämpfe steigen in die Luft, ein Bahnarbeiter ist verletzt. Dazu ist die Unglücksstelle nur schwer zugänglich, der Bahndamm steil und verwildert. Die Experten waren sich einig: keine abwegige Situation. So setzen nach ihren Angaben viele Chemiebetriebe, unter anderem Great Lakes, Essigsäure als Basisstoff ein.
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Unter Obstbäumen und zwischen Gemüsefeldern finden Fahrzeuge und Gerätschaften ihren Platz. Fotos: Bernd Oser
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Zwar war die Essigsäure an diesem Vormittag nur Wasser, der Rauch künstlich, der Verletzte gespielt: Doch die Feuerwehrleute mussten hei warmem Wetter und Sonnenschein echte Schwerstarbeit verrichten. Erst rückte die Tägerwiler Feuerwehr an, dann die Kreuzlinger Wehr. Mit Atemschutz bargen einige Männer den Bahnarbeiter. Schließlich holten die Retter die Konstanzer Feuerwehr, die in solchen Fällen bis zum Zollhof ausrückt und dort wartet, bis sie abgerufen wird. Zu dem rückte die Chemiewehr in Weinfelden aus. Diese rückte nicht nur mit Autos an, sondern auch mit einem in der Schweiz einmaligen Rettungszug.
Die Thurgauer Chemiewehr, gestellt von der Weinfeldener Feuerwehr, kann als einzige im Nachbarland ihre gesamte Ausrüstung auf die Bahn verladen. Schweizer Bundesbahnen und Mittelthurgaubahn wurden die Thurgauer deshalb bei schweren Unfällen im ganzen Land einsetzen. "Die Planungen gehen auch von einem Einsatz auf der Gotthardstrecke aus", sagt Feuerwehrkommandant Richard Frei. Der Sprecher der Mittelthurgaubahn versicherte, Wagen und Lok dürfen auch in den Landkreis Konstanz fahren, wenn es dort einen Chemie-Unfall gäbe. Die deutschen Experten sagten der Einsatzleiter von Grenzschutz und Polizei oder der Notfallmanager der Bahn könnten den Einsatz des Feuerwehrzuges unbürokratisch verfügen.
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Der "verletzte" Bahnarbeiter wird von einem Atemschutztrupp gerettet. Da der Mann am Hang liegt, ist dies eine echte Herausforderung für den Atemschutztrupp. Fotos: Bernd Oser, Frank van Bebber
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Allerdings benötigt der Zug seine Zeit: Die Wagen transportieren im Alltag in der Müllverbrennungsanlage Weinfelden Container. Im Notfall muss die Feuerwehr erst ihre Container von Lastwagen auf die Wagen umladen, den Zug ankuppeln und die Unglücksstelle anfahren. Der Einsatz macht nur bei langen und schweren Einsätzen Sinn. Dann aber hilft er: Bei der Übung konnte der Zug nahe an den Kesselwagen fahren, während die Feuerwehrautos weit entfernt und tief unterhalb des Bahndamms parken.
Bei der Übung seien insgesamt rund 40 Mann im Einsatz gewesen, sagte Gesamteinsatzleiter Richard Huber. Bei einem echten Notfall wären es wohl 140 gewesen, weil dann weitere Hilfsdienste angefordert worden wären. Mit dem Ablauf war Huber zufrieden, ebenso sein Konstanzer Kollege Hans-Jürgen Oexl. Allerdings hatten einige Experten bemerkt, dass es zu lange dauerte, bis Männer in Vollschutzanzügen das Leck im Kesselwagen untersucht und eine Wanne unter das Loch gestellt hatten.
Deutlich verbessert hat sich indes das Zusammenspiel bei der Einsatzleitung. Noch bei einer ähnlichen Übung im vergangenen September hatten die Feuerwehren getrennte Leitstellen errichtet, was zu Missverständnissen und Zeitverlust führte. Die nun erstmals ausprobierte gemeinsame Einsatzleitung habe sich bewährt, sagte Huber. Für die Feuerwehren beiderseits der Grenze Beleg dafür, wie sinnvoll aufwändige Großübungen sind.
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Die auf Waggons verladenen Chemiewehr-Container kommen auf dem hohen Bahndamm zu stehen (oben links). Die Platzverhältnisse auf dem Damm sind nicht sehr üppig (oben rechts, links). Mühsam ist der Aufstieg schon für "unbeschwerte" Personen: Im Vollschutzanzugs wird das Ganze zur Quälerei. Fotos: Bernd Oser, Frank van Bebber (links)
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Generalstabsmäßige Führung zeichnet die Schweizer Feuerwehr aus (links). Überblick zum Einsatzgeschehen verschafft ein gezeichneter Lageplan (rechts). Fotos: Hendrik Roggendorf
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