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Berichte
22. Juni 2007 – Wichtig zur GefahrenvermeidungFeuerwehrkommandant Dieter Quintus gibt Tipps zum vorbeugenden BrandschutzDie häufigsten Unfälle passieren durch Unachtsamkeit, Nachlässigkeit, Unkenntnis oder Leichtsinn. Gerade im Alltag lauern viele Gefahren und es ist hilfreich, wenn man weiß, wie man richtig reagiert. Wer kennt sich in dieser Hinsicht besser aus als Feuerwehrkommandant Dieter Quintus, der über 36-jährige Erfahrung im Feuerwehrdienst verfügt?
Was darf Ihrer Ansicht nach in keinem Haushalt fehlen?
Rauchmelder, damit ein Brand rechtzeitig erkannt wird, besonders in der Nacht. Auch ein Löschgerät sollte vorhanden sein, beispielsweise eine Löschdecke. Sie ist ideal, um brennendes Fett zu bekämpfen.
Gibt es wirklich Menschen, die brennendes Fett, beispielsweise bei einem Fritteusenbrand, mit Wasser zu löschen versuchen?
Ja, die gibt’s. Wir hatten schon Fälle, da hat nach einer solchen Fettexplosion die ganze Küche gefehlt. Nicht zu vergessen sind die schweren Verbrennungen, die sich die Personen zugezogen haben.
Wie reagiert man richtig, wenn es brennt?
Sofort die Notrufnummer 112 wählen und Fenster und Türen schließen. Eigene Löschversuche dauern meist zu lange. Was meinst Du, wie lange es dauert, um einen zehn Liter Eimer mit Wasser zu füllen? Es gilt, die Brandwohnung zügig zu verlassen und dabei auf jeden Fall die Türe zu schließen, um die Luftzufuhr sowie das Verrauchen des Treppenhauses zu verhindern.
Beim Wort Treppenhaus hat der Herr Kommandant gerade noch an etwas anderes gedacht, oder?
Vielfach werden in Treppenhäusern irgendwelche Gegenstände reingestapelt und die Fluchtwege sind eingeengt. Bei Rauch fliegt man dann über das Zeug. Das heißt: Bitte Treppenhäuser freihalten.
Das erinnert mich an mit Holzkeilen dauerhaft geöffnete Brandschutz- und Rauchabschlusstüren. Darf man das überhaupt?
Natürlich nicht, denn bei diesen Türen handelt es sich um baulichen Brandschutz, der gesetzlich geregelt ist. Große Wohnanlagen und öffentliche Gebäude sind mit Brandschutz- und Rauchabschlusstüren ausgestattet, die generell geschlossen sein müssen. Wenn das stört, gibt es eine Alternative: Türen, die über einen Melder gesteuert werden und sich im Brandfall automatisch schließen.
Heimwerker, so höre ich ab und zu, sind bei Feuerwehrleuten nicht unbedingt beliebt. Wo lauern hier die Gefahren?
Beim Umgang mit lösungsmittelhaltigem Klebstoff. Beispielsweise beim Teppichboden verkleben, muss immer für gute Belüftung gesorgt sein. Ich erinnere mich an zwei, drei Fälle in Konstanz, die waren von der harten Sorte. Der Fußboden war gerade verklebt, der Raum nicht belüftet, jemand drückte die Klingel, der Funke hat gezündet und die Bude ist explodiert. Die Temperatur bei der Verpuffung war so hoch, dass der Lack von der Türe weg war.
Mich beschleicht immer ein ungutes Gefühl, wenn jemand den Bohrer einsetzt, denn es könnte ja eine elektrische Leitung getroffen werden.
Da passiert eher selten etwas. Wenn eine elektrische Leitung angebohrt wird, fliegt normalerweise die Sicherung raus.
Wo lauern sonst noch Gefahren?
Beispielsweise nicht nur zur Weihnachtszeit vergessene Kerzen. Dann gibt es natürlich noch die klassischen Saisonbrandfälle, wie jetzt im Sommer der schlechte Umgang beim Grillen. Viele nehmen keinen Feststoffanzünder, sondern Brennspiritus. Die Kohle brennt nicht sichtbar und die Leute leeren dann den Brennspiritus drauf. Dann gibt es eine Verpuffung, und wer nicht schnell genug ist, dem kann die Flasche in der Hand explodieren. Da kann ich mich noch gut an ein paar Fälle erinnern...
Und wo lagert man Campinggasflaschen?
Auf keinen Fall im Keller! Das ist verboten. Am besten im Freien auf dem Balkon, so man denn einen hat.
Welche Themen sind in Bezug auf Sommerfeste noch brandaktuell?
Nicht ganz abgezogene Kabeltrommeln, an die alles Mögliche angeschlossen wird, ohne zu beachten, wie viel Strom von der Trommel abgenommen werden darf. Und dann fängt die Kabeltrommel an zu brennen.
Und was ist mit den klassischen Mehrfachsteckdosen?
Da hatten wir vor einiger Zeit einen interessanten Einsatz. Verschiedene Mehrfachsteckdosen waren aneinander gereiht und Kühlschränke, Wasserkocher, Fritteusen, lauter riesige Stromfresser, angeschlossen worden. Das war abenteuerlich. Natürlich kam es zum Kabel- und Schwelbrand und die Stadtwerke hatten dann auch ein Problem...
Werden Notrufe eigentlich richtig abgesetzt?
Im Großen und Ganzen schon. Lediglich Notrufe über Handy stellen ein gewisses Problem dar. Es kann je nach Witterung passieren, dass wir Notrufe aus Bayern bekommen – oder umgekehrt. Deshalb sollten diejenigen, die einen Notruf absetzen, immer sagen, aus welcher Stadt sie anrufen.
Ist die Feuerwehr mit dem Verhalten der Autofahrer zufrieden, wenn sie mit Martinshorn zum Einsatz fährt?
Das ist unterschiedlich. Manche tun sich schwer damit, langsam zur Seite zu fahren, um Platz zu schaffen. Der Autofahrer darf zu diesem Behufe auch langsam über eine rote Ampel fahren. Ich persönlich fahre übrigens ungern rechts an einer Autokolonne vorbei, denn viele haben noch das „rechts ranfahren“ in Erinnerung. Aber das war noch zu Zeiten, als es noch keine Busspur gab. Busspuren dienen auch Rettungsfahrzeugen zum zügigen Vorankommen.
Nachgefragt hat Aurelia Scherrer
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