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Berichte

23. August 2007 – Herausragender Techniker mit Herz und Seele

Redner lobten Schaffenskraft – Trauerfeier für Ehrenkommandant Rudolf Santo

Dekan Mosignore Emanuel Frey schilderte in seiner Ansprache bei der Trauerfeier für Ehrenkommandant Rudolf Santo in der Kirche St. Suso, dass der Verstorbene 1922 in einer schwierige Zeit hineingeboren worden sei, die ab den 30er-Jahren schicksalsschwere politische Verhältnisse brachte. Im Schatten des Konstanzer Münsters habe er seine Kindheit erfahren, gefördert von seinen Eltern besuchte er die Ingenieurschule – die heutige Hochschule für Technik, Gestaltung und Wirtschaft – wo er mitten im Krieg 1942 sein Studium als Maschinenbau-Ingenieur abschließen konnte.
Zum Arbeitsdienst wurde er in dieser Zeit in das Elsass und später für ein Unternehmen zum Kriegsdienst nach Berlin verpflichtet. Diese Firma entsandte ihn später nach Konstanz, um dort ein Zweigwerk zu errichten. Am 26. August 1943 heiratete er Margarete Franke, mit der er bis zu seinem Tod glücklich zusammenlebte. „Ein herrliches Bekenntnis“, sagte Dekan Frey, was er aus einer von Rudolf Santo persönlich erstellten Datensammlung über dessen Ehe entnehmen konnte: „Meiner Frau muss ich danken für alles, was sie gegeben hat. (…) Jetzt im Alter genießen wir die Erinnerung“.
Oberbürgermeister Horst Frank würdigte Santo als „Mitbürger, den wir noch gerne lange in unserer Mitte gehabt hätten“. Er sei immer präsent und damit wichtig für die Stadt und die Feuerwehr gewesen. Er habe beide mitgeprägt und mit gestaltet. 1945 ist Santo in die Feuerwehr eingetreten, war von 1956 bis 1987 Kommandant, und damit der bisher am längsten amtierende. Ab 1973 war Santo hauptamtlicher Kommandant. Der Ausbau der Freiwilligen Feuerwehr nach dem 2. Weltkrieg sei sein persönliches Werk, würdigte Frank die Schaffenskraft des Verstorbenen.
1956 hatte Santo entscheidenden Anteil an der Gründung der Jugendkapelle, die zusammen mit der Stadtkapelle das Fundament der heutigen Musikschule bildet. Rudolf Santo zählt zu den Mitbegründern der deutsch-französischen Partnerschaft zu Fontainebleau. Später hatte er auch wesentlichen Anteil an der Partnerschaft mit der tschechischen Stadt Tábor. Von 1962 bis 1973 war er Mitglied im Bürgerausschuss beziehungsweise später im Gemeinderat, wo er an vielen Beschlüssen entscheidend mitwirkte. Sein ehrenamtliches Engagement schlug sich in zahlreichen Ehrungen nieder, die 1987 in der Verleihung des Ehrenrings der Stadt Konstanz gipfelte.
Seine ausgeglichene Art und Sachlichkeit haben eine über Fraktionsgrenzen hinausreichenden hohen fachlichen und persönlichen Anerkennung gefunden, lobt Frank die menschliche und umgängliche Art des Verstorbenen, dessen Leistung zu würdigen „hier nur stichwortartig möglich ist und nur bedingt in Worte zu fassen sind“. Santo habe das Leben, aber auch die Menschen geliebt, sagte der Oberbürgermeister, der insbesondere Santos Herzensgüte lobte. Abschließend dankte Horst Frank dessen Menschlichkeit und für seine außergewöhnliche Lebensleistung.
Landrat Frank Hämmerle nahm „mit schwerem Herzen“ Abschied von Rudolf Santo, mit dem er 3 Wochen zuvor nach dem Besuch der grandiosen Feuerwehrausstellung im Bus nach Staad gefahren sei. Santos Menschlichkeit und freundliches Gemüt haben den Altersunterschied von rund 30 Jahren und die damit verbundene Überlegenheit durch mehr Lebenserfahrung verschwinden lassen, so Hämmerle. 14 Jahre lang war Santo halbtags im Landratsamt im Amt für Feuerwehr, Katastrophenschutz und Vorbeugender Brandschutz tätig gewesen.
Der Landrat erinnerte an die Zeit der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl, wo „wir alle mehr oder weniger unwissend herumgetobt sind“. Santo habe den ersten ABC-Messzug weggeschickt und die Mitarbeiter im Katastrophenschutz geschult. 1978 war der Verstorbene in der Bretagne nach dem Tankerunglück Leiter und Koordinator für die Einheiten aus Baden-Württemberg. Hämmerle würdigte Santo als „großartige Persönlichkeit, herausragenden Techniker mit viel Sachverstand, der mit Herz und Seele dabei gewesen ist“.
Sein Nachfolger als Kommandant, Dieter Quintus, lobte den 10. Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz als großes Vorbild. „Eine Ära geht zuende“, bedauerte Quintus. Nach dem Eintritt in die Feuerwehr 1945 sei in der schwierigen Nachkriegszeit sehr rasch seine Führungsqualität erkant worden. Im jugendlichen Alter von 33 Jahren sei er 1956 zum Kommandant gewählt worden.
Santo habe keine feuerwehrfreie Zeit und keinen Urlaub gekannt, erinnerte der Kommandant. Schlaglichtartig beleuchtete die Leistung seines Vorgängers: Weit über Konstanz hinaus geschätzt sei er als Fachmann im Feuerwehrwesen in Erinnerung, seine Mitarbeit im Kreisfeuerwehrverband, als Präsident des Internationalen Bodensee-Feuerwehr-Bundes (BFB), dem er neuen Schwung verliehen habe, im Vorstand des Landesfeuerwehrverbandes Baden-Württemberg als Fachgebietsleiter des Katastrophenschutzes und als Delegierter im Deutschen Feuerwehrverband (DFV).
Sein Wirken und seine vielfachen Verdienste seien durch zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen gewürdigt worden, berichte Qiuntus, darunter das Deutsche Feuerwehrehrenkreuz in Gold, Feuerwehr-Ehrenzeichen der Sonderstufe, sowie Auszeichnungen der französischen und tschechischen Republik.
Wegen seiner vielen überörtlichen Tätigkeiten habe sein Vorgänger den Spitznamen „Reise-Santo“ erhalten, so Quintus. Trotzdem habe er sich mit ganzer Kraft der eigenen Wehr gewidmet, lobte er seinen Vorgänger. Viele richtungsweisenden Entscheidungen hätten heute noch Gültigkeit: Die Gründung der Jugendfeuerwehr, die Ölwehr Bodensee, die Gründung des Spielmannszuges, im Katastrophenschutz, die Gefahrenabwehr bei gefährlichen Stoffen und Gütern und nicht zuletzt der Aufbau und die Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit den Schweizer Nachbarn.
Als weiteren Meilenstein bezeichnete Quintus die Zusammenarbeit mit der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die heute noch als beispielhaft im ganzen Land gewertet werde. Die mit der Eingemeindung der heutigen Ortsteile verbundene Integration der ehemals selbstständigen Wehren in die Gesamtfeuerwehr Konstanz habe sein Vorgänger mit einer im Land einmaligen, klaren und straffen Neugliederung geschafft. 1967 konnte die neuer Feuerwache in Betrieb genommen werden.
Als unvergessen bezeichnete Quintus seine Tätigkeit als Einsatzleiter: Neben einer Brandserie in der Konstanz Altstadt im Jahre 1965 zählte wohl der Brand des Gaswerks 1967 zu seiner größten Herausforderung. Quintus erinnerte daran, dass der Verstorbene an der Bekämpfung der Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen teilnahm und der Bekämpfung der Ölpest in der Bretagne die gesamten Einheiten aus Baden-Württemberg führte.
Quintus lobte Rudolf Santo als vorbildlichen Feuerwehrkameraden, der von seinen Mitstreitern viel abverlangt habe. Unter seiner Leitung zur Führungskraft aufzusteigen habe das Durchschreiten einer harten Schule bedeutet. Obwohl er dabei zielstrebig und hart in der Sache gewesen sei, habe ihn immer seine Menschlichkeit ausgezeichnet.
Abschließend würdigte Walter Pilz als Fraktionsvorsitzender der Freien Wählergemeinschaft (FWG) den Verstorbenen: So habe seine Ehefrau ihren über alles geliebten und vertrauten Ehemann, die Stadt Konstanz eine Integrationsfigur, die Feuerwehr einen Helden, die Familie ein Oberhaupt und die FWG einen väterlichen Freund und Ratgeber verloren.
Wenn es um die Belange des Gemeinwesens gegangen sei, habe Santo immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden, sich mit Leidenschaft für andere eingesetzt und dem Gemeinwohl verschrieben und sein Ego habe ihm nie im Weg gestanden. Er sei immer „glaubhaft rübergekommen“, dass er helfen, stützen und beschützen wollte.
Die Freien Wähler hätten einen ihrer „ganz Großen“ verloren, so der Fraktionsvorsitzende. Sein Rat würden sie bei vielen Gelegenheiten vermissen. „Seine Gesten, seine Körpersprache werden wir nicht vergessen“, sagte Pilz.
Autor: nea – Letzte Änderung: 2007-09-16 16:16:24

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