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Berichte
23. Februar 2005 – Trotz hohem Ansehen nur wenig RückhaltRückgang der Mitgliederzahl – Weiter steigende Anforderungen – Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr KonstanzFeuerwehrfrauen und -männer genießen in Deutschland ein sehr hohes Ansehen: 97 Prozent der Befragten in der vom Verlag Reader's Digest durchgeführten Studie bescheinigten ihnen "ziemlich hohes" beziehungsweise "sehr hohes" Vertrauen. Danach werde in keine andere Einrichtung oder Berufsgruppe ein so hohes Vertrauen gesetzt, zitierte Peter Renker, Stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz, bei der Jahreshauptversammlung, die erstmals in der Halle Jägerkaserne statt fand.
Leider relativierten sich tolle Umfragen in der Praxis, sagte Renker, denn dieses hohe Ansehen stelle er nicht bei den Arbeitgebern – er schließt darin auch die öffentlichen mit ein – fest. Denn es bereite den Beschäftigten immer mehr Mühe, den Chef davon zu überzeugen, dass er als Feuerwehrangehöriger beim Ertönen des Alarmrufes unverzüglich die Arbeitsstelle verlassen muss. Die Angst um den Arbeitsplatz führe dann dazu, dass dem ehrenamtlichen Engagement ein deutlicher Dämpfer aufgesetzt werde, rügte Renker.
Für den Stellvertretenden Kommandanten sind die vom Bundesministerium des Innern (BMI) jüngst vorgelegten Empfehlungen zur Förderung des Ehrenamtes im Zivil- und Katastrophenschutz nicht ausreichend, denn sie träfen keine Aussagen darüber, wie die Forderungen umgesetzt oder gar finanziert werden könnten. Einige wenige Gemeinden haben noch vor den guten Ratschlägen des BMI Maßnahmen getroffen, um den Feuerwehrdienst in der Öffentlichkeit aufwerten zu können. Renker betont, dass gesellschaftliche Anerkennung nicht befohlen werden könne. Getreu dem Leitsatz des Feuerwehrgesetzes "Die Feuerwehr ist eine […] Einrichtung der Gemeinde", fordert er den Gemeinderat auf, die Förderung des Ehrenamtes in der Feuerwehr in Angriff zu nehmen.
Lars Chudzinski, Leiter der Jugendfeuerwehr, berichtete über die geringste Personalstärke (62 Mädchen und Jungen) der Jugendfeuerwehr seit über zehn Jahren. Der Bevölkerungszuwachs in Konstanz wirke sich für den Feuerwehr-Nachwuchs nicht aus. Starke Veränderungen ergäben sich durch die Einführung der Ganztagesschule: Wenn der Nachmittagsunterricht um 17 Uhr beendet sei, heiße das nicht automatisch, dass die Jugendlichen um 18 Uhr pünktlich und motiviert zum Dienst erscheinen, denn weitere schulische Verpflichtungen seien vorher zu erledigen.
Die Jugendfeuerwehr versucht unter anderem mit einer altersgerechten Ausbildung (ab 10 Jahren) und der verstärkten Werbung der Jungendlichen unter Freunden die Anziehungskraft für die Feuerwehr-Nachwuchsorganisation zu verstärken. Daher sieht der Dienstplan entsprechende Erfolgserlebnisse vor. Die Jugendfeuerwehr will verstärkt die schon bestehende Homepage benutzen und sich verstärkt an der Öffentlichkeitsarbeit beteiligen. Aber auch ein Zeltlager, Ausflüge und Kontakte nach Fontainebleau stehen auf dem Programm.
Bevor Kommandant Dieter Quintus auf die weitere Probleme seiner Feuerwehr zu sprechen kam, berichtete er von 1049 Einsätze im letzten Jahr, was einen leichten Rückgang zum Vorjahr bedeutete. Erwähnenswert war für ihn die Zahl von 22 Echtalarmen, die über die automatischen Brandmeldeanlage gemeldet wurden. Von großen Schadenereignissen blieb die Stadt 2004 verschont. Bei Bränden retteten die Feuerwehrfrauen und -männer 12 Menschen. Bei technischen Hilfeleistungen – meist Nottüröffnungen – verzeichnet die Statistik 20 tote und 96 gerettete Personen. Bei den Verstorbene handle es sich meist um vereinsamt gestorbene Menschen, sagte Quintus.
In den Zügen leisten nur noch 275 Frauen und Männer ehrenamtlichen Feuerwehrdienst; für dieses Jahr erwartet der Kommandant eine weitere Abnahme, da aus der Jugendfeuerwehr kaum Nachwuchs zu erwarten sei. Der Spielmannszug hat 47 Mitglieder; davon sind vier auch in den Löschzügen aktiv. Die Altersabteilung zählt 91 Mitglieder. Knapp 55 000 Einsatz- und Dienststunden leisteten die Feuerwehrangehörigen.
Der Zuschussbedarf der Stadt für die Feuerwehr beträgt rund 1,486 Millionen Euro, was rechnerisch im Verwaltungshaushalt pro Einwohner 17,62 Euro ergibt, rechnete Quintus vor. Bei kreisangehörigen Städten sind es nach der Statistik von 2002 im Schnitt 30 Euro. Damit sei die Konstanzer Feuerwehr sehr günstig, fasste Quintus zusammen.
Trotz dieser erfreulichen Zahl sieht der Kommandant etliche Probleme: Die Atemschutzvorschriften sieht verschärfte Ausbildungsanforderungen vor und damit erhöhte Kosten. Wegen wegfallender Zuschüsse des Landes fehlten zudem 16 000 Euro. Der "ruhende Verkehr" (das Parken) beeinträchtige in vielen Fällen das Durchkommen für die großem Fahrzeuge bei Einsätzen; wegen des dichten Straßenverkehrs kämen die freiwilligen Kräfte bei Alarmierungen nachweislich immer schwerer zu ihren Gerätehäusern, warnte Quintus. Er zeigte auch die Kapazitätsgrenzen auf, die auf dem einzigen Mitarbeiter im "Vorbeugenden Brandschutz" lasteten. So konnten unter anderem Brandverhütungsschauen nicht durchgeführt, Großanlagen nicht überprüft oder veraltete Objektpläne nicht überarbeitet werden.
In diesem Jahr steht unter anderem Ersatzbeschaffung des Einsatzleitwagens, die Ausschreibung für den Ersatz der Drehleiter aus dem Jahr 1982 und die Vorbereitung auf das Jubiläum im Jahr 2007 an.
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