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Berichte

23. Juni 2010 – Spannender als Fußball

Marktbummel der besonderen Art: Behörden gnädiger als WM-Schiedsrichter

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Spannende Frage: Kann sich die Drehleiter der Feuerwehr einen Weg durch die Marktstände bahnen?
Foto: Aurelia Scherrer (23. Juni 2010)
Die Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft bahnten sich einen Weg durch die Abwehr von Ghana, tricksten die Verteidiger aus und Mesut Özil schoss den Ball ins Tor. Konstanz ist im Fußballfieber. Ähnlich spannend ging es am Vormittag des interessanten Fußballabends Deutschland gegen Ghana auf dem Markt zu. Die Feuerwehr versuchte, mit der Drehleiter über den Wochenmarkt am Sankt-Gebhard-Platz zu fahren. Ihr Ziel: Nicht das Tor der gegnerischen Mannschaft zu treffen, sondern die Einfahrt in die Luisenstraße wohlbehalten zu erreichen.
Zwar handelte es sich nicht um ein Weltmeisterschaftsspiel, sondern um eine Probefahrt, ob die Gasse für Einsatzfahrzeuge frei gehalten ist. Gleichwohl hatte dieses Ereignis eine Parallele zu dem derzeit beliebtesten Sport. Denn manche Marktstände standen behindernd im Weg wie Abwehrspieler der gegnerischen Mannschaft. Ortspolizisten sowie Isabelle Spahrmann vom Hochbau- und Liegenschaftsamt agierten quasi als Schieds- und Linienrichter. Es wurde geschaut, an welchen Ecken es (zu) eng wurde.
Die langsame Durchfahrt des großen Feuerwehrfahrzeugs war spektakulär, wenngleich viele Marktbesucher die Drehleiter völlig ignorierten und ungerührt weiter ihren Einkauf tätigten, obwohl das 14 Tonnen schwere Fahrzeug beinahe schon die Einkaufstasche berührte. Die Feuerwehrleute konnten manchmal nur den Kopf schütteln. Isabelle Spahrmann war die Ruhe selbst: „Vor zwei Jahren war die letzte Begehung“, berichtete sie. Längst sei es einmal wieder an der Zeit gewesen, um die Einhaltung der Rettungswege zu überprüfen.
Wie wichtig diese Prüfung war, wurde den Umstehenden rasch deutlich, denn an einigen Stellen war kein Durchkommen. Standbetreiber mussten ihre Schirme abbauen, Kisten, die den Weg versperrten, wegräumen, oder die Klappen ihrer Fahrzeuge schließen. Im Ernstfall hätte es sehr lange gedauert, und das kann und darf nicht sein. Eine Marktstandbetreiberin brach sogleich eine Lanze für die Aktion: „Wenn’s jetzt da oder dort brennt“, und dabei wies sie auf die Nachbarhäuser, „dann sollte die Feuerwehr so schnell wie möglich hinfahren können. Mit einem Hubschrauber können sie ja nicht kommen.“ Zumal auch ein solches Fluggefährt keine Landefläche gefunden hätte.
Bei der Prüffahrt ging es um weitaus mehr, als bei der Fußball-WM, nämlich um Sicherheit und Menschenleben. Und obgleich dies wesentlich wichtiger ist, als ein WM-Titel, war das Schiedsrichtergespann der Konstanzer Behörden weitaus gnädiger und fairer. Es wurden weder gelbe, geschweige denn rote Karten gezückt. Kein Platzverweis. „Wir werden die Standbetreiber, die im Weg standen, anschreiben und auf die Richtlinien hinweisen“, so Isabelle Spahrmann. Es gebe keinerlei Strafen, aber: Künftig wird häufiger kontrolliert, das steht fest.


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