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Berichte

23. Oktober 2004 – "Nicht ohne Feuerwehr"

Oberbürgermeister Horst Frank bekennt sich anlässlich des Kameradschaftsabend zur Feuerwehr

"Wir können nicht ohne Feuerwehr leben", stellte Oberbürgermeister Horst Frank beim Kameradschaftsabend der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz im großen Saal des Zentrums für Psychiatrie Reichenau fest. Er spielte damit auf die enger werdende finanzielle Ausstattung der Feuerwehren durch das Land an und die sich abzeichnenden Nachwuchsprobleme. Frank lobte auch den ausgesprochen positiven Eindruck, den die Feuerwehr insbesondere mit den Radfahrern und mit dem Spielmannszug bei den Jubiläumsfeierlichkeiten in der tschechischen Partnerstadt Tábor hinterlassen habe.

Ehrungen

Die Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände e.V. (BDMV) verlieh an den Leiter des Spielmannszuges Michael Koch, Verdienstmedaille in Gold mit Urkunde. Er wurde damit unter anderem für seine Jugendarbeit geehrt. Die Jugendlichen hatten anlässlich des Landesfeuerwehrtages 2003 in Ulm eine Urkunde in Gold mit Auszeichnung erhalten. Vom BDMV erhielten Gisela Lehmann die Ehrennadel in Silber für 20-jährige, sowie Dirk Mutter und Peter Stöß die Ehrennadel in Gold für 30-jährige aktive Tätigkeit.
Von den aktiven Feuerwehrangehörigen wurden Albert Bammert, Matthias Mende, Konrad Romer, Walter Späth, Hans Wussler für 40 Jahre, Bernd Bertsch, Martin Deggelmann, Rainer Drössler, Reinhold Gensle, Andreas König, Michael Rössler, Jürgen Rupp, Helmut Schmitt und Petra Stett für 25 Jahre sowie Roman Kimmig, Thorsten Liebe, Michael Okle, Mike Oswald, Martin Romer und Nicolas von Waldthausen für 15 Jahre aktiven Dienst geehrt.
Der OB kritisierte den Umgang des Landes mit den Feuerwehren; das Land wolle auf Kosten der Gemeinden mehrere Hundert Millionen Euro einsparen. Zuvor hatte Kommandant Dieter Quintus erklärt, wie sich diese Sparassnahmen auswirkten: Die Zuschüsse zu den Lohnersatzkosten, den Lehrgängen, zur Überlandhilfe und für die zentralen Werkstätten seien Anfang des Jahres entfallen. Auf die Stadt kämen daher rund 30 000 Euro an Mehrkosten zu. Auch die Zuschüsse für Beschaffungen – wie Einsatz-Fahrzeugen – seien reduziert worden: von 40 auf 30 Prozent.
Erfreulich sei dagegen, dass die Finanzierung für die Ölwehren am See derzeit noch stehe. Derzeit sei eine Ersatzbeschaffung für Fahrzeuge und Gerätschaften im Gange, die 30 Jahre altes Material ersetzen soll. Der Kommandant warnte das Land jedoch davor, sich aus der derzeitigen Unterstützung der Ölwehren zurückzuziehen. Nach einer Absprache der Kommandanten der Ölwehr-Stützpunkte würde die Ölschadensbekämpfung auf dem See, die Landessache und nicht eigentliche Gemeindeaufgabe sei, sofort zurückgegeben werden.
Kommandant Quintus erklärte weiter, dass im Gegenzug zu den auferlegten Einschränkungen die Ansprüche in Leistung und Ausbildung an die Feuerwehrfrauen und -männer immer mehr steigen würden. Als Beispiel nannte er die gestiegenen Anforderungen beim Atemschutz, wobei die höheren Ausbildungsanforderungen weder personell noch finanziell geklärt seien.
Einen weiteren wunden Punkt sprach Quintus an: Die landesweit rückläufige Zahl an ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen habe nun auch Konstanz erfasst. So verzeichne die Statistik seit 2000 einen Rückganz um rund 10 Prozent an Aktiven Feuerwehrmitgliedern. Als Beispiel nannte der Kommandant den Löschbereich Altstadt: Dort habe es früher rund 70 Feuerwehrleute gegeben, heute seien es nur noch 44. Der seit Jahrzehnten niedrigste Stand Aktiver, sei bedenklich in einer Stadt, die inzwischen die 80 000 Einwohner-Zahl überschritten habe.
Dieter Quintus nannte einige mögliche Gründe: Das Desinteresse von 18-jährigen an einem Ehrenamt, die Verkürzung der Wehrdienstzeit, die Arbeitsplatzsituation in Konstanz – Wegfall von Firmen wie Herosé, Great Lakes oder Rieter, woraus sich viele Feuerwehrleute rekrutiert hätten – und ein hohes Mietniveau, das viele Wegzüge bedinge.
Zudem verzeichne die Jugendfeuerwehr, die in den letzten Jahren den Hautpanteil an neuen Aktiven stellte, gleichfalls einen besorgniserregenden Schwund: Innerhalb von fünf Jahren einen Rückgang von 100 auf 60 Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren. Als mögliche Ursachen nannte Quintus, das breit gefächerte Freizeitangebot, die rückläufigen Geburtenjahrgänge und nicht zuletzt hätten die Feuerwehrangehörigen selbst weniger Kinder.
Die bisherigen Werbeveranstaltungen hätten nicht den gewünschten Zulauf gebracht, bemängelte der Kommandant. Er regte an, wie in anderen Städten, über Motivationsprogramme und Leistungsanreize nachzudenken. Dies werde jedoch nicht zum "Nulltarif" zu haben sein, verdeutlichte er. Die zuvor genannten Punkte würden, so Quintus, eine Erhöhung der Zahl der hauptamtlichen Kräfte unumgänglich machen.
OB Frank versprach, er habe immer ein offenes Ohr für Vorschläge, wie man Nachwuchs gewinnen könne. Seine Erfahrung sei es, dass man sich auf die Konstanzer Feuerwehr verlassen könne, sie sei in einem guten Zustand. Sein Ziel sei es, die vorhandene Qualität aufrecht zu erhalten. "Wir steuern gemeinsam durch stürmische See", versprach der Oberbürgermeister, damit er auch nächstes Jahr Gutes über die Feuerwehr berichten könne.
Musikalisch umrahmte die Polizeikapelle den Abend. Für die musikalische und spaßige Abwechslung sorgte wieder einmal der Spielmannszug. Mit einigen neu einstudierten Stücken zeigten die "Spielleute" ihr Können. Mit dem Sketch "Das Radkäppchen" setzten sie den lustigen Höhepunkt des Abends.

Foto-Galerien

Nikolaj Schutzbach
Michael Koch


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