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Berichte

24. März 2005 – Gewitter mit Starkregen zog über den Landkreis

Die Stadt Konstanz wurde am Gründonnerstag vom Gewitter mit Starkregen, das ab etwa 21.30 Uhr über Teile des Landkreises zog, verschont. In etlichen Gemeinden wurden Straßen und Keller überflutet, Schlammmassen bedrohten Menschen und ihre Häuser. Neben den Ortsfeuerwehren mussten das Technische Hilfswerk aus Singen, Konstanz und Waldshut-Tiengen – Einheiten aus Tuttlingen und Stockach waren vorsorglich in Alarmbereitschaft versetzt worden –, eine Schnelleinsatzgruppe des Deutschen Roten Kreuzes, die Rettungstaucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus Konstanz, Bodman und Allensbach sowie die Notfallseelsorger des Landkreises ausrücken. Mit Pumpen und Sandsäcken versuchten die Einsatzkräfte die Schäden einzudämmen. Während der akuten Lage konnten einige Straßenabschnitte bestenfalls mit Allradfahrzeugen befahren werden.
Da die DLRG Konstanz und die Freiwillige Feuerwehr Konstanz seit vielen Jahren erfolgreich in einer Kooperation zusammenarbeiten, folgt an dieser Stelle ein Bericht über die Ereignisse in Steißlingen.

Tödliche Falle

Besonders schweren Regengüssen war der Höhenzug Kirnberg-Roßberg-Homburg zwischen Radolfzell-Stahringen und Steißlingen betroffen. In Stahringen tobte eine Gerölllawine durch Dorf. In Steißlingen verwandelte sich der Rehmenbach in einen reißenden Fluss. Wasser und Schlamm wälzten sich vor allem durch das am Hang gelegenen Neubaugebiet.
Der Rehmenbach schwemmte Erdreich und Geröll ab, das sich als Schlammlawine über Straßen und Gärten in Wohnungen, Keller und Garagen wälzte. Kanalisation, Vorfluter und Durchlässe hatten die hereinbrechenden Wassermassen nicht mehr aufnehmen können.
Entlang der Straße "Am Rehmenbach" verläuft der Bach, dessen Wasser in das Gartengrundstück auf der Rückseite des Anwesens Nummer 14 eindrang. Dort lief es über eine vorgelagerte Terrasse und sammelte sich in einem Geländeeinschnitt. Diese Bodensenke lief schnell bis über Türhöhe voll. Als die 65-jährige Bewohnerin die Wassermassen vor ihrer Einliegerwohnung im Keller bemerkte, rief sie um Hilfe.
Die Terrassentür hielt dem Druck nicht Stand und wurde nach Innen gedrückt. Rund 50 bis 60 Kubikmeter, vermutlich sogar noch deutlich mehr, Wasser und Schlamm strömten schlagartig in den Keller. Die Frau wurde wahrscheinlich von den Wassermassen in den Heizungsraum gespült. Unglücklicherweise war dies der einzige Raum, der keine Fenster hat. Lediglich eine kleine Lüftungsöffnung von 15 cm * 20 cm befindet sich in der Außenwand.
Durch diese gelang es den Einsatzkräften Kontakt mit der Frau aufzunehmen, die Mühe hatte, den Kopf über Wasser zu halten. Ein privater Taucher wagte sich in einem lebensgefährlichen Alleingang zu der Frau vor. Durch die Unterkühlung trübte die Frau bald ein und wurde mehrfach bewusstlos. Es gelang dem Mann mehrfach, sie vor dem Ertrinken zu bewahren. Zur Unterstützung ließ die Einsatzleitung die Rettungstaucher der DLRG aus Konstanz, Bodman und Allensbach alarmieren.
Taucheinsatzleiter Bernd Oser entschloss sich, einen Dreiertrupp in den überfluteten Keller zu entsenden, parallel wurde ein Sicherungstrupp und weiteres Rettungsgerät bereitgestellt. Gefahr für die Taucher bildeten die "Sichtweite gleich Null" und aufgeschwemmte Einrichtungsgegenstände. Würde einer der Taucher irgendwo hängen bleiben, geriete er schnell in Gefahr, da er ohne etwas zu erkennen nur schwer zu befreien sei, so Oser. Sie würden auch nicht schwimmen können sondern müssten ohne Schwimmflossen waten. Die Situation war sehr gefährlich und daher die psychische Belastung ausgesprochen hoch, berichtete der DLRG-Einsatzleiter. Als sich die Rettungstaucher gerade in die Fluten begaben, kam ihnen eine Ladung Schwemmgut entgegen, die der private Taucher vor sich herschob. Dieser hatte sich entschlossen mit der Frau, die wieder einmal bewusstlos geworden war, notfallmässig auszutauchen.
Die Frau hatte zwischenzeitlich einen Herz-Kreislauf-Stillstand (das heißt Herzschlag und Atmung setzen aus) erlitten. Notarzt und Rettungsdienst gelang es noch an der Unglücksstelle die Frau wiederzubeleben und ins Singener Hegau-Klinikum zu transportieren. Dort verstarb sie gegen 1 Uhr. Die 65-Jährige hatte rund anderthalb bis eindreiviertel Stunden im schätzungsweise rund 10 °C kaltem Wasser verbracht und war daher stark unterkühlt.

Der Tag danach

Am Tag danach ist das Großreinemachen in vollem Gange. Im blauen Himmel ziehen schuldlos wirkende Wolken; eigentlich ein schöner Frühlingstag. Aber auf den Straßen trocknet der Schlamm der vorangegangenen Nacht. Wenn Laster oder Autos drüberfahren staubt's recht ordentlich. In den Straßen stehen Kippmulden, die das ruinierte Inventar aufnehmen. Autos werden als Zwischenlager für die gerettete Einrichtung benutzt.
Besen, (Schnee)schaufeln, Hochdruckreiniger und Tauchpumpen haben Hochkonjunktur. Ein Saugwagen entwässert Keller. Aus der Nachbarschaft sind die Freiwilligen Feuerwehren aus Hilzingen und Orsingen-Nenzingen sowie der Werkfeuerwehren Maggi und Alcan zur Unterstützung eingetroffen.
Am Neubau der Pflegeeinrichtung Helianthum ist an der weiß getünchten Außenwand deutlich der Höchstwasserstand abzulesen. Rund 20 Zentimeter hoch strömte das Wasser und verwüstete den Garten bevor es ins Haus eindrang. Weiter unten berichtet ein Mann, dass das Wasser 1,2 Meter hoch gestanden habe. Vor seinem Haus liegt eine Türe, die der Wasserdruck sprengte.
Auffallend ist, dass die Schlammansammlungen überall dort am größten sind, wo der Boden unbefestigt ist. Dies ist dort der Fall, wo Häuser erst jüngst errichtet wurden oder noch gebaut wird. Die wenigen mit Gras bewachsenen Flächen sind nahezu unversehrt oder dienten den Schlammassen als Auslauffläche.

Weitere Informationen

Foto-Galerie
Südkurier: Geröllawine in Radolfzell-Stahringen
Südkurier: Eine Tote in Steißlingen
Südkurier: Bericht im Baden-Württemberg-Teil
Hegaubilder: Fotos und Infos
Falls obiger Link nicht (mehr) funktioniert!
Bericht und Fotos vom THW Singen
Bericht und Fotos vom THW Waldshut-Tiengen
Freiwillige Feuerwehr Allensbach
Südkurier: Schlamm bis zum Bahnhof
Südkurier: Freiwillige helfen selbstlos



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