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Berichte

24. November 2003 – Grundbruch im Mühlenweg

Verwerfungen der Erdreiches wie nach einem Erdbeben

Am späten Nachmittag kam es im Mühlenweg – zwischen Byk-Gulden-Straße und Bahntrasse – zu einem Grundbruch, der unter anderem auch einen Stromausfall im mehreren Stadtteilen zur Folge hatte. Aus Sicherheitsgründen musste eine Wohnwagen- und Hütten-Siedlung geräumt werden. Der Weg hatte sich hatte sich stellenweise über 2 Meter über sein normales Niveau hochgewölbt.

Das Kieslager

Das Gelände im Geviert zwischen Byk-Gulden-Straße gehört der Meichle & Mohr GmbH, die dort ein Kieslager unterhält, erklärte Frank Münnich, Betriebsleiter von BBO. Die BBO (Bauschuttaufbereitung Bodensee-Oberschwaben) ist Pächter auf diesem Gelände. Ihr gehört der betroffene Kieshügel aus Recylingmaterial, zum Beispiel wird aus zerkleinertem Beton Kies hergestellt. Das Unternehmen Meichle & Mohr ist zugleich Gesellschafter von BBO. Auf dem Grundstück ist eine Bodenplatte mit einer Fläche von 5 000 m² aufgebracht. Recycling-Material darf nur auf befestigtem Untergrund gelagert werden. Zuständig für Genehmigungen ist das Landratsamt.
"Als wir zurückkamen war da auf einmal ein Hügel im Weg", erzählte eine Nachbarin: Beim Weggehen habe alles noch normal ausgehen, schilderte sie. In der Tat erinnerte die aufgebrochene Erde an ein Erdbeben. Tiefe Risse durchzogen den Weg, bis zu einen Meter breit und manchmal ebenso tief. Der Mühlbach war ebenfalls bogenförmig nach oben gewölbt, das Wasser staute sich. Zum Glück regnete es nicht, die Wassermengen waren daher relativ gering.
Die Verwerfungen hatten auch zur Folge, dass am Rand der anliegenden Siedlung Wohnwagen und Hütten verschoben wurden. Vorsorglich ließ die Polizei das Gelände räumen. Für die 11 dort lebenden Menschen fanden Sozialamt und Bürgeramt eine Bleibe. Am Nachmittag konnte den meisten Bewohnern die Rückkehr wieder gestattet werden. Lediglich die Hütten und Wohnwagen direkt am Mühlenweg blieben aus Sicherheitsgründen davon ausgeschlossen.
Im Erdreich verlaufen auch Versorgungsleitungen der Stadtwerke. So brach durch die Erdverschiebungen eine Stromleitung. Dies führte in einigen Stadtteilen zu Stromausfällen, die bis zu einer Stunde dauerten. Ebenfalls brach die 150 Millimeter durchmessende Wasserleitung. Für die betroffenen Grundstücke bauten die Stadtwerke-Mitarbeiter am Morgen eine Notwasserversorgung auf.
Auf der angrenzenden Bahnlinie wurde für die Züge "Langsamfahrt" angeordnet, um Erschütterungen weitestgehend zu vermeiden. Nach einer Vermessung der Gleise konnte am Morgen die Einschränkung wieder aufgehoben werden. Die Freiwillige Feuerwehr leitete mittels einer Pumpe und zweier Schlauchleitungen das Wasser am Hindernis vorbei.
Auf dem angrenzenden Gelände der Firma Meichle & Mohr lagerte zu Kies verarbeiteter Bauschutt mit einer geschätzten Masse von 25 000 Tonnen. Um Druck vom der instabil gewordenen Erdreich zu nehmen, wurde noch am Abend damit begonnen mittels Radladern, den Hügel abzutragen.

Verbindungsmann

(nea) Es ist Abend: Im Mühlenweg wölbt sich die Erde und im Konzil lauschen Interessierte unseren Stadtoberen, die über das geplante Konzert- und Kongresszentrum informieren. Einsatzleiter Dieter Quintus versucht verzweifelt einen der drei Bürgermeister oder einen der verantwortlichen Amtsleiter zu erreichen. Jedoch sitzen alle im Konzil und haben auch noch ihre Handys abgeschaltet. Quintus besorgt sich schließlich die Nummer des Konzilwirtes und bittet diesen, einen der Bürgermeister ans Telefon zu holen. Die Nachricht erreicht denn auch Bau-Bürgermeister Volker Fouquet – jedoch zu einem denkbar ungünstigen Augenblick. In einer Minute ist er dran mit seinem Referat und jetzt aufzustehen und zu gehen gliche eine Flucht. In seiner Verzweiflung – "da war doch etwas mit Gebäuden" – erblickt er Johannes Kumm, den Amtsleiter des Hochbau- und Liegenschaftsamtes. So wird Johannes Kumm unversehens zum Verbindungsmann zwischen Schadensstelle und Stadtoberhäuptern, auch wenn Wohnwagen und Hütten nicht gerade zu seinem Arbeitsgebiet gehören.
Zu später Stunde trafen auch Oberbürgermeister Horst Frank und Bau-Bürgermeister Volker Fouquet an der Einsatzstelle ein, um sich einen Überblick zu verschaffen. Bis zum nächsten Morgen um 7 Uhr bleiben 3 Feuerwehrangehörige an der Einsatzstelle. Sie überwachen die Pumpe, die den Wasserpegel des Mühlbachs auf einer normalen Höhe hielt.
Die Ursache des Grundbruches steht noch nicht fest. Anwohner berichten, dass es vor 3 Wochen im Mühlenweg einen Rohrbruch gegeben haben soll. In den letzten 2 Wochen habe auch ein Nachbar immer wieder ein Gartentor justieren müssen, da dieses immer wieder auf dem Boden geschleift habe. Zudem war in jüngster Zeit auf dem Gelände von Meichle & Mohr der Kieshügel – er dürfte so zwischen 15 und 20 Meter hoch gewesen sein – aufgeschüttet. Die genaue Ursache soll ein Gutachten klären das alle Geschädigten gemeinsam in Auftrag gegeben haben. Die Höhe des Sachschadens beträgt nach ersten Schätzungen von Bau-Bürgermeister Volker Fouquet mindestens 100 000 Euro. Es könne jedoch auch ein Mehrfaches davon werden, sagt Fouquet und verweist im Übrigen auf das geplante Gutachten.

Pressegespräch

In einem am Folgetag anberaumten Pressegespräch sprach Bau-Bürgermeister Volker Fouquet von "einer Verkettung unglücklicher Umstände", die zu dem Grundbruch geführt hätten. Dieses Ereignis zeige wieder einmal, wie wichtig Hilfsdienste seien und auch Stadtwerke, die rund um die Uhr erreichbar zur Verfügung stünden. Es handle sich um einen "klassischen Grundbruch" erklärte der Bürgermeister weiter. Die genaue Ursache werde ein Gutachten ergeben.
Derzeit würden Fragen zur technischen Sicherheit geklärt, die Bestandsaufnahme vorgenommen und sowie Vermessungen durchgeführt. Es würden alle Tätigkeiten ausgeführt, die für ein ordentliches Beweissicherungsverfahren erforderlich seien. Zur weiteren Bearbeitung des Falles habe sich eine Projekt-Gruppe gebildet, so Fouquet weiter.
Michael Müller, Leiter des Geschäftsbereichs Energie und Netz der Stadtwerke, berichtete, dass während der Nacht die Trinkwasserversorgung beeinträchtigt gewesen sei. Am Morgen sei dann eine Notwasserversorgung gelegt worden. Die Stromversorgung sei durch Umschaltungen noch am frühen Abend im Stromnetz wieder hergestellt worden. Die 20-kV-Hauptversorgungsleitung werde nach der Beweissicherung repariert. Müller zeigte sich zudem sehr zufrieden über das Engagement seiner Mitarbeiter. So sei unter anderem die üblicherweise nur mit einem Mann besetzte Netzleitwarte spontan mit weitren 3 Mitarbeitern besetzt gewesen. "Als sie gemerkt haben, dass etwas nicht stimmt, sind sie sogleich gekommen", zeigte sich Müller erfreut.
Christian Harcke, Leiter des Städtebau- und Vermessungsamtes, berichtete, dass der Graben wieder hergestellt werden kann, wenn das Erdreich wieder stabil sei. Der Vorfluter können möglicherweise kommende Woche wieder aktiviert werden, wenn das Beweissicherungsverfahren abgeschlossen ist.
Feuerwehrkommandant Dieter Quintus, erklärte, dass der Durchlass unter den Bahngleisen von den TBK abgedichtet worden sei. Das Wasser des Mühlbaches könne sich nördlich der Bahntrasse in dem ausgewiesenen Retentionsgebiet (Überschwemmungsgebiet) ausbreiten. Weitere Durchlässe unter den Bahngleisen ermöglichten es dem Wasser abzufließen.

Eingesetzte Kräfte

  • Stadtwerke
  • Polizei
  • Bundesgrenzschutz
  • Notfallmanager sowie weitere Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG
  • Vertreter verschiedener Ämter der Stadt (u. a. Sozialamt, Bürgeramt)
  • Technische Betriebe Konstanz (TBK)
  • Oberbürgermeister Horst Frank und Baubürgermeister Volker Fouquet
  • Freiwillige Feuerwehr Konstanz (6/21, 6/19, 6/14, 6/65 AB Schlauch)

Fotogalerien

Fotogalerie von Andreas König
Fotogalerie von Oliver Hanser
Fotogalerie von Claudia Rindt

Links

Südkurier: Mühlenweg bäumte sich auf
Südkurier: Grundbruch wird Fall für die Gutachter


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