.
    Freiwillige Feuerwehr Konstanz
Home Einsätze Übungen Meldungen [Login] [HOME]
Berichte

31. Dezember 2007 – Langanhaltender Dehnfugenbrand beschäftigt Feuerwehrleute

Ein Bewohner kommt ins Klinikum – Rauch dringt aus Steckdosen – Zwei Häuser geräumt

Ein sogenannter Dehnfugenbrand in der Petershauser Straße beschäftigte in der Neujahrsnacht die Freiwillige Feuerwehr über etliche Stunden. Ein Bewohner wurde wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftung ins Klinikum gebracht. Zwei Häuser wurden geräumt. Noch im alten Jahr war die Feuerwehrzentrale gegen 23.15 Uhr über eine Rauchentwicklung in der Petershauser Straße informiert worden.
Schon die zuerst eintreffenden Feuerwehrleute konnten sehen, wie Rauch aus einem Dachstuhl der in den 90er Jahren erbauten Häuserzeile trat. Die erste Erkundung führte die Feuerwehrfrauen und -männer in die im Dachstuhl liegenden Wohnungen. Im Bad einer der Wohnstätten entdeckten sie dichten Rauch, jedoch kein Feuer. Da im Gebäude kein Brandherd zu finden war, öffneten zwei Feuerwehrleute aus dem Korb der Drehleiter heraus das Dach. Schließlich entdeckten sie, dass Rauch aus der Dehnfuge zwischen zwei benachbarten Brandschutzmauern trat. Offensichtlich war – aus einem bisher unbekannten Grund – das in dem Spalt verbaute Material in Brand geraten.
Mit Wasser aus einem Strahlrohr wurde versucht, den Schwelbrand zu löschen. Ein Unterfangen, das sich wegen der geringen Spaltenbreite von etwa zwei bis drei Zentimeter und dem Dämmmaterial – es dürfte sich hierbei um Presspappe gehandelt haben – nicht einfach war. Die Fließeigenschaft des Wassers blieb unzureichend, obwohl es mit Schaummittel versetzt wurde, um die Oberflächenspannung zu verringern. Anhand des Rauchaustritts an den Gebäudewänden konnte nachvollzogen werden, dass sich der Brandherd langsam nach unten fraß. Mittels Wärmebildkamera und einfachem Handauflegen machten die Einsatzkräfte in den Wohnungen auch warme Stellen an den Wänden aus. Teilweise hörten es die Bewohner hinter der Wand knistern.
Ein Mann, der sich als Spätheimkehrer in seine Wohnung begeben hatte, musste kurze Zeit später mit dem Rettungswagen ins Klinikum, gebracht werden. Er hatte Rauch eingeatmet, der plötzlich aus der Wand und Steckdosen ins Zimmer gedrungen war. Neben den eigentlichen Löschmaßnahmen beschäftige gerade dieser Raucheintritt in die Wohnungen beider angrenzenden Häuser während der gesamten Einsatzdauer.
Schließlich mussten alle Wohnungen, die an die beiden betroffenen Wände grenzten, bis zum endgültigen Löscherfolg geräumt werden. Einige Wohnungstüren brachen die Feuerwehrleute gewaltsam auf, als nach einer angemessenen Zeit keine Schlüssel aufzutreiben waren. Ein Nachbar lud schlussendlich alle verbliebenen Bewohner zu sich ein, wo sie es bequemer als im Einsatzfahrzeug der Feuerwehr hatten. Mehrere Kleintiere wurden mit ihren Käfigen aus den Wohnungen umgesiedelt.
Der Notdienst der Stadtwerke schaltete in einigen Wohnungen den Strom ab, da Wasser in die Elektroleitungen gedrungen war. Eine abschließende Erklärung für die Rauchverschleppung konnte bisher nicht gefunden werden. Die Höhe des Sachschadens sowie die Brandursache sind nicht bekannt. Um 6.30 Uhr wurden Einsatzkräfte zur Ablösung und wenig später die Höhenrettungsgruppe alarmiert sowie der Leiter des Baurechtsamts, Axel Mothes, angefordert. Die Höhenretter öffneten weitere Teile des Daches, um besser an die Dehnfuge herankommen zu können.
Am späten Vormittag des 1.1. entschied die Einsatzleitung gemeinsam mit dem Leiter des Baurechtsamtes und Vertretern der Wobak, das Füllmaterial in der Dehnfuge weiter brennen zu lassen. Eine fortgesetzte Flutung des Spaltes sollte unterbleiben, da es sonst in den Wohnungen zu Wasserschäden kommen würde. Nur bei einer zunehmenden Rauchentwicklung soll Wasser eingebracht werden. Mittels Wärmebildkamera werden die Wände laufend überwacht und die Messwerte dokumentiert. So können der Brandfortschritt und mögliche bedenkliche Temeperaturerhöhungen zuverlässig festgestellt werden.
Eine Öffnung der Wände, zum Beispiel mittels Kernbohrungen, und Einbringen von einem Löschmittel wie Kohledioxid wurde verworfen, da die problemlose Zugänglichkeit nicht überall möglich ist. So verhindern in einige Wohnungen Schrankwände den einfachen Zugang. Der hierdurch entstehende Sachschaden steht nach Einschätzungen der Einsatzleitung in keinem Verhältnis. Alle sechs Stunden wird das Personal getauscht. Es ist mit mindestens einer Drehleiter, einem Löschfahrzeug und einem Mannschaftstransportwagen im Einsatz.
Der Jahreswechsel bescherte den Feuerwehrleuten zudem einen Brandmelderalarm in der Tiefgarage Augustinerplatz, der sich glücklicherweise als Fehlalarm herausstellte, sowie etliche brennende Abfallbehälter.

Dehnfuge

Eine Dehnfuge (auch Dehnungsfuge) trennt zwei Gebäude, damit sich diese wegen möglicherweise auftretenden Setzungen bewegen können, ohne dass es dabei zu Spannungsrissen kommt. Zudem dienen sie zur Schallisolierung. Damit diese auch beim Erstellen des Mauerwerks gewährleistet bleibt, werden heute beispielsweise Glasfasermatten – früher auch Presspappe – in den Spalt eingemauert.

Ungewöhnlicher Blickwinkel

Für einen Jungen dürfte dieser Einsatz in besonderer Erinnerung bleiben: Als er mit seinen Eltern ans Hörnle aufbrach um dort einige Silvesterkracher zu zünden, fuhren die ersten Feuerwehrfahrzeuge zum Brandeinsatz in der Petershauser Straße vorbei. Das laute und bunte Vergnügen war da schnell vergessen: Mit seinen Eltern lief er stattdessen den roten Autos mit den blinkenden Blaulichtern hinterher, um den Frauen und Männern in den dunklen Jacken mit den hellen Leuchtstreifen bei ihrer mühseligen Arbeit zuzuschauen. Die drei hatten schließlich Mitleid mit den frierenden Feuerwehrleuten und versorgten sie mit heißem Tee und Kaffee. Als Dank durften sie in einem Löschfahrzeug Platz nehmen und den Beginn eines neuen Jahres aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel erleben.

Nachhaltigkeit

Dass manche Feuerwehreinsätze in der Bevölkerung durchaus nachhaltige Eindrücke hiterlassen, zeigen zwei Begebenheiten.
Im Südkurier, Ausgabe Konstanz, vom Montag, dem 7. Januar 2008, ist auf Seite 15 (Lokal-Seite 1) zu lesen:

Begebenheit 1

"WAS WISSEN SCHAFFT"
Stadt der Wissenschaft: Noch 52 Tage bis zur Entscheidung. Was haben Sie zuletzt gelernt?
Ich habe aus der Zeitung gelernt, was eine Dehnfuge ist. In der Petershauser Straße hatte es ja letzte Woche in einer Dehnfuge zwischen zwei Häusern gebrannt.
Nadine Asil, Konstanz
(Erscheint anstelle der "Frage des Tages" während die Stadt Konstanz auf die Entscheidung zur „Stadt der Wissenschaft“ wartet.)

Begebenheit 2

Als der Autor dieser Zeilen einen Termin bei einem Kunden vereinbarte, versprach letzerer einen „Dehnfugentee“ zu kochen. Diesen gab’s dann wirklich …
Autor: nea – Letzte Änderung: 2008-01-13 13:41:02

Galerien

3 Galerien
31. Dezember 2007 – Langanhaltender Dehnfugenbrand beschäftigt Feuerwehrleute #1
31. Dezember 2007 – Langanhaltender Dehnfugenbrand beschäftigt Feuerwehrleute #2
31. Dezember 2007 – Langanhaltender Dehnfugenbrand beschäftigt Feuerwehrleute #3

Berichte

02. Januar 2008 – Feuerwehr beendet rekordverdächtigen Einsatz


/


4603b6/4256e2

Home Einsätze Übungen Meldungen [Login] [HOME]
.