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Berichte

Februar 2007 – Heiße Tage an der australischen Feuerfront

Konstanzer Feuerwehrmann und Student als Waldbrandbekämpfer in „Down Under“

In Australien gehören Waldbrände zum „täglichen Leben“. Da ich während meines Australien-Aufenthalts ebenfalls Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr bin, hatte ich die Gelegenheit mehrere Tage lang an der Bekämpfung eines größeren Waldbrand teilzunehmen.
Das Feuer war im Goobang National Park zwischen Orange und Parkers ausgebrochen. Dieses Gebiet liegt etwa 300 Kilometer östlich von Sydney im Landesinneren. Dort hatte es seit langer Zeit nicht mehr geregnet, der größte Teil der Landschaft bestand aus vertrocknetem Gras, Staub und Wald. Brandursache war eine Gewitterfront, die allerdings keinen Regen mit sich gebracht hatte. So war innerhalb kurzer Zeit ein rund 6 000 Hektar großer Waldbrand entstanden – und Alles nahm seinen Lauf.
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Foto: Martin Sutter (Februar 2007)
Am Montag, dem 12. Februar 2007, wurde unser Captain benachrichtigt, dass Seahampton (das ist die Brigade in der ich bin) Teil eines Strike Teams sei und mit einem CAT1 Tanker (Tanklöschfahrzeug mit 3 500 l Wasser und einer AFFF-Schaumanlage) sowie 2 Besatzungen – eine für die Tagschicht, eine für die Nachtschicht – ausrücken soll.
Da sich das Feuer wegen der Winde über Nacht deutlich verschlimmert hatte, wurde unsere geplante Abfahrt vorgezogen und wir fuhren am frühen Dienstagmorgen mit einem weiterem CAT1 aus einer Nachbarwehr und einem MTW ab. Unsere Aufgabe führte in das rund 400 Kilometer entfernte Orange.
Unser Strike Team im „Division West“ (Abschnitt West) bestand aus etwa 15 CAT1, die sich aus mehreren Districts (Landkreisen) zusammengesetzt hat (Lake Macquarie, Gosford, Blue Mountains).

Tag 1

Da wir fast den ganzen Tag für die Anreise gebraucht hatten, gab es für uns von der Tagschicht nicht mehr viel zu tun und so durften wir uns noch mal von der Reise erholen. Anders als üblich waren wir in Motels anstatt in Zeltlagern untergebracht. Unser Motel hatte einen Whirlpool und eine Sauna, die dann auch gleich besetzt wurden. Für die Nachtschicht begann dann nach dem Abendessen gleich die Arbeit.

Tag 2

Unser Tag begann früh morgens. Um 5.30 Uhr war Abfahrt vom Motel zur so genannten „Staging Area“. Das ist der Sammelpunkt für alle ankommenden und abfahrenden Einheiten. Hier werden die Fahrzeuge betankt, die Luftfilter gereinigt, Essen und Trinken auf die Fahrzeuge verladen und so weiter. Außerdem finden hier der Schichtwechsel und kurze Einsatzbesprechungen statt.
Die Nachtschicht hatte wegen der schlechten Sicht relativ erfolglos versucht die entsprechenden Gegenfeuer („Backburns“) zu legen, so dass die Einsatzleitung entschied, dies zu unserer Hauptaufgabe für diesen Tag zu machen.
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Foto: Martin Sutter (Februar 2007)
Nachdem alle Fahrzeuge gewartet waren und unser Division Leader (Abschnittsleiter) von seinem Hubschrauber-Erkundungsflug zurückkam, fuhren wir gegen 7 Uhr in das eigentliche Brandgebiet. Da es für die Tagschicht der erste Trip ins Waldgebiet war, begannen wir mit einer „Rundfahrt“, um uns mit dem Wegenetz und so genannten „Assembly Areas“ vertraut zu machen. Als Assembly Area werden kleinere Sammelpunkte im Wald bezeichnet, an denen Tankwagen mit Wasser bereit stehen um die Feuerwehrfahrzeuge zu füllen. Dadurch werden lange und unnötige Fahrzeiten aus dem Brandgebiet vermieden. Außerdem trifft man sich dort zu kurzen Pausen und zum Mittagessen.
Nachdem wir unseren Abschnitt erkundet und diesen in zwei Sektoren unterteilt hatten, begannen wir mit den Gegenfeuern. Dazu werden die Fahrzeuge in gleichmäßigen Abständen entlang der entsprechenden Linie aufgestellt und jede Mannschaft zündet seinen Abschnitt an. Dabei ist vor allem darauf zu achten, dass keine „Spot Fire“ auf der anderen Seite entstehen. Bei ständig änderndem Wind und ziemlich großen Flammen passiert das ziemlich schnell, so auch bei uns.
Glücklicherweise haben wir alles unter Kontrolle bekommen. Die Fahrzeuge können oftmals nicht weit genug entfernt vom Feuer geparkt werden. Allerdings sind diese mit einem Sprüh-System ausgestattet, das sowohl die Kabine, den Aufbau und die Reifen kühlt. Davon mussten wir nicht selten Gebrauch machen.
Im Laufe des Tages hatten Bulldozer einen weiteren Weg angelegt, der ziemlich parallel zum eigentlichen Weg verlief. So konnten die Fahrzeuge im Ringverkehr fahren wenn neues Wasser benötigt wurde, oder sie sich weiter vorgearbeitet hatten. Wenn das Feuer dann in die gewünschte Richtung gewandert ist, wird damit begonnen die „Fire Line“, das heißt die Linie an der man gestartet ist, abzulöschen. Das komplette Ablöschen eines etwa 20 Meter breiten Streifens war dann Aufgabe der Nachtschicht.
Nach knapp 12 Stunden am Feuer machten wir uns wieder auf den Weg zur „Staging Area“ – Abendessen. Danach eine gründliche Dusche gab es noch einen kurzer Gang in die Sauna. Da wir einen anstrengenden und heißen Tag hinter uns hatten, gingen wir alle relativ früh ins Bett.
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Foto: Martin Sutter (Februar 2007)

Tag 3

Der Tag begann für uns wieder um 5.30 Uhr. Im Wesentlichen hatte sich an der Einsatzaufgabe nichts geändert. Die Wetterbedingungen über Nacht waren stabil geblieben, so dass sich das Feuer nicht nennenswert vergrößert hatte. Trotzdem standen mittlerweile fast 6 500 Hektar in Flammen. Das Schwierige an diesem Tag war, dass wir in einem Waldgebiet waren, das über wenig Unterholz verfügte und es so umso schwerer war, ein richtiges Feuer zu entzünden. Während wir also warteten bis wir endlich ein Feuer hatten, blieb uns viel Zeit, um das übrige Einsatzgeschehen zu verfolgen: Hubschrauber, die im Tiefflug über uns hinweg flogen; Bulldozer, die neue Wege oder Wendeflächen anlegten und dergleichen mehr. In dieser Zeit hab ich mir auch viel von unserem Captain über die Einsatztaktiken bei solchen Waldbränden erklären lassen.
Die Fahrzeuge führen neben feuerwehrtechnischer Ausrüstung auch einen Campingkocher sowie Kaffee und Tee mit. Dadurch kam es öfters vor, dass wir unmittelbar an der Einsatzstelle Kaffeepause machten, unser Mittagessen einnahmen oder einfach nur einen Snack zwischendurch hatten. Außerdem ist auf den Fahrzeugen eine Kühlbox verladen in der ausreichend Trinkwasser mitgeführt wird. Nicht ganz ungefährlich für die Einsatzkräfte ist auch die sommerliche Hitze von über 35°C, die täglich um die Mittagszeit erreicht wird.
Nach den diesmal eher wenig erfolgreichen „Backburns“ übergaben wir die Nachlöscharbeiten wieder der Nachtschicht und verließen gegen 19 Uhr die Einsatzstelle. Zurück im Motel gönnten wir uns wieder den mittlerweile zur Gewohnheit gewordenen Saunagang und eine Runde im Whirlpool.

Tag 4

Auch an diesem Tag hatte sich an der Einsatzlage nichts nennenswert verändert. Allerdings merkte man mittlerweile, dass das Feuer im Inneren der Gegenfeuer sich langsam mangels Masse abschwächte und die Löschhubschrauber gute Arbeit leisteten. Deshalb konzentrierten wir uns heute hauptsächlich – wie die Nachtschicht – auf die Nachlöscharbeiten entlang unserer Feuerlinie. Dadurch wird ein Wiederaufflammen im Randgebiet – und somit die Gefahr einer Ausbreitung – verhindert. Besonders viel Aufmerksamkeit erfordern die so genannten „Hot Spots“. Das sind Glutnester, die sich unterhalb der Oberfläche befinden, und nur bekämpft werden können, in dem man sie entweder frei schaufelt oder mittels Vollstrahl ablöscht. Das Schwierige ist, diese Hot Spots ausfindig zu machen. Diese Aufgabe wurden dann den älteren, erfahrener Kameraden überlassen.
Im Laufe des Nachmittages zog eine neue Gewitterfront heran, die diesmal allerdings auch Regen mit sich brachte. Nachdem der Regen immer stärker wurde, entschied die Einsatzleitung alle Schwerfahrzeuge aus dem Wald zurückzurufen. Immerhin hatte es innerhalb weniger Minuten knapp 42 Millimeter Niederschlag gegeben, der die sonst eher staubigen Wege in reine Matschpfützen verwandelte.
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Foto: Martin Sutter (Februar 2007)
Bei einer weitern Lagebesprechung aller Division Leaders entschieden die Verantwortlichen, die Einheiten, die aus weiter Entfernung gekommen waren, frühzeitig nach Hause zu schicken.
Am Ende dieses Tages fand bei uns im Motel ein Grillfest statt, da sowohl die Tag- und Nachtschicht nichts mehr zu tun hatten. Einwohner haben sich freiwillig gemeldet und uns dabei unterstützt und uns versorgt.

Tag 5

Das Tagesprogramm heute war eigentlich recht einfach: nach Hause fahren, Fahrzeug putzen und wieder einsatzbereit machen. Unsere Heimreise führte uns wieder über die Blue Mountains und wir hielten an manchen Stellen für eine kleine Sightseeing Tour an.
Allerdings gestaltete sich die Reinigung aufwändiger als angenommen. Dicke Staubschichten in den einzelnen Schubladen und Fächern, sämtliche Ausrüstungsgegenstände verdreckt, verstaubt oder nass. 2 Reifen hatten tiefe Risse im Profil und mussten ersetzt werden. Kratzer im Lack, die im Laufe der nächsten Woche wieder rauspoliert werden mussten. Teilweise gab es auch geschmolzene Türgriffe: Die Liste der Schäden und noch anstehender Arbeit war lang. Schließlich waren die Fahrzeuge 5 Tage lang fast rund um die Uhr in Betrieb und haben knapp 300 Kilometer in Waldgebiet zurückgelegt.
Über 200 Feuerwehrmänner und -frauen waren mehrere Tage im Einsatz. Insgesamt sind knapp 6 700 Hektar Wald verbrannt. Glücklicherweise sind keine Menschen oder Wohnhäuser zu Schaden gekommen. Der Wald wird wohl ein paar Jahre brauchen, bis er sich davon wieder erholt hat. Von älteren Kameraden hab ich mir sagen lassen, „das war nur eins unserer vielen alljährlichen Feuerchen“.
Während meiner gesamten Zeit als Mitglied im New South Wales Rural Fire Service habe ich viel über Waldbrände dazu gelernt. Allerdings habe ich auch gelernt, dass in vielen Fällen Freiwillige Feuerwehr einfach Freiwillige Feuerwehr ist – egal wo auf der Welt. Kameradschaft und Freundschaft, „Gott zur Ehr, dem nächsten zu Wehr“; es mag zwar anders heißen, aber es bedeutet das Gleiche.
Feature im Südkurier
Autor: Martin Sutter – Letzte Änderung: 2007-03-17 18:32:28

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