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Berichte
26. Mai 2009 – Sonne verschwindet fast ganz hinter dunklen WolkenUnwetter über Konstanz | | Foto: Lars Heilmann (26. Mai 2009) |
 | | Foto: nea (26. Mai 2009) |
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Nahezu 200 Hilfeersuchen erreichten die Freiwillige Feuerwehr als Folge des Unwetters am Dienstagnachmittag ab etwa 16 Uhr. Daneben hatten die Frauen und Männer der Feuerwehr eine gemeldete Rauchentwicklung in der Herzklinik und mehrere Brandmelderalarme abzuarbeiten.
Die Rauchentwicklung im Keller der Herzklinik stellte sich glücklicherweise als Wasserdampf heraus, der offensichtlich durch eine heiß gelaufene Waschmaschine erzeugt worden war. Nach Abschaltung des Geräts und Querlüften der Räume konnten die Einsatzkräfte wieder einrücken oder sich den Unwetter bedingten Einsätzen widmen.
Wettersturz
Die Lufttemperatur fiel binnen kurzer Zeit von um die 30 °C auf etwa 13 °C. Der Regen wurde zeitweise von heftigem Hagel begleitet. Der deutsche Wetterdienst hatte Windstärken um 90 Kilometer pro Stunde angekündigt. Die aufgezogenen Wolken verdunkelten den Himmel wie bei einer Sonnenfinsternis.
Durch undichte Dächer oder Fenster drückte Regenwasser in etliche Gebäude im Stadtgebiet. Dabei halfen sich die meisten Bewohner mit Eimern, Putzlumpen und Wischern selbst. So führten Undichtigkeiten im Dach des Inselhotels zu einem Brandmelderalarm, weil eingedrungenes Wasser mehrere Rauchmelder beeinträchtigte.
Kurze Zeit nach Beginn des Sturmes brach in Konstanz ein Verkehrschaos aus: Die Eisenbahnunterführung am Sternenplatz war binnen weniger Minuten voll gelaufen. Zwei Autos blieben darin stecken. Nachdem die Fahrzeuge freigeschleppt waren, wurde die Durchfahrt gesperrt. Als Folge davon wurde auch der Linienbusverkehr stark beeinträchtigt.
Sattelzug unter Baum begraben
Auf der B 33 in Höhe des Flugplatzes stürzte ein Baum auf den Auflieger eines Sattelzuges. Der Rüstwagen (RW 2) wurde dorthin zur Bergung des Laster entsandt. „Ein großes Lob und ein dickes Dankeschön den Mitarbeitern der Baustelle am Flugplatz“, sagte Klaus Menge, der mit zwei weiteren Feuerwehrleuten und dem RW vor Ort war. „Die Bauarbeiter haben mit ihren Baggern die Straße dort von allen Bäumen befreit“, lobte Menge weiter. Auch die Unterstützung bei der Bergung des Lastwagens sei vorbildlich gewesen, ergänzte er. Mit drei Baggern hoben sie den Baum an, sodass der Lastwagen unter dem Baum herausfahren konnte. Anschließend schoben die Bagger den Baum auf die Seite. „Wir hätten dafür Stunden gebraucht“, schätze Klaus Menge den ersparten Zeitbedarf. Der Lastwagen wurde schließlich auf dem Flugplatzgelände abgestellt. Der Verkehr konnte daraufhin wieder ungestört fließen.
Unterstützung durchs THW
Die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr wurden von ihren Kameraden des Technischen Hilfswerks Konstanz unterstützt. Als Verstärkung forderte die Feuerwehr zusätzlich das Technische Hilfswerk aus Singen an, das Pumpen mit einer Pumpleistung von bis zu 2000 Liter pro Minute mitbrachte. Bis gegen 3 Uhr beseitigten die Einsatzkräfte umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste, pumpten Keller leer, sicherten abgedeckte Dächer oder sorgten dafür, dass das Wasser von den Straßen wieder abfloss.
Ein Einsatzschwerpunkt, wo mehrere Häuser von den aufgestauten Wassermassen betroffen waren, bildete sich in der Kreuzlinger Straße. Die größten Regenmengen gingen über der Altstadt und Petershausen nieder. Mit zunehmender Entfernung zur Kernstadt nahm das Einsatzaufkommen deutlich ab.
Kamin droht zu stürzen
Die Besatzungen des Löschgruppenfahrzeugs 6/41 und der Drehleiter 1/33 wurden in die Bahnhofstraße gerufen. Dort drohte ein Kamin auf die Straße zu stürzen. Nachdem die Feuerwehrleute zusammen mit den Polizisten die Gefahrenstelle abgesperrt hatten, erkundeten sie mit Hilfe der Drehleiter das Dach. Die Erkundung ergab, dass der Kamin in Richtung Giebel gestürzt und in 2 Teile zerbrochen war.
Da mit der Drehleiter auf Grund der Höhe der Häuser und einer Dachgaube nicht beizukommen war, wurde die Höhenrettungsgruppe nachalarmiert. Diese sollte über die Dachwohnung und den Balkon auf das Dach steigen und die akute Gefahr beseitigen. Da der Mieter in Frankreich weilte und der Hausmeister keinen Schlüssel zur Hand hatte, fordert die Mannschaft das Tanklöschfahrzeug 6/29 nach, das Werkzeug zur Türöffnung dabei hat.
Nach dem fachmännischen Öffnen der Türe konnten die Höhenretter mit dem Beseitigen der unmittelbaren Gefahr beginnen. Danach wurde die Einsatzstelle der Polizei und einem Zimmermann übergeben, der das 1,5 * 1,5 Quadratmeter große Loch mit einer Plane provisorisch verschloss. Zur Freude der Einsatzkräfte spendierte die im Erdgeschoss befindliche Kneipe den Einsatzkräften Mineralwasser und Spezi.
Mäßiger Schaden auf der Insel Mainau
Der Hagelsturm richtete auf der Mainau ebenfalls Schaden an, teilt deren Pressestelle mit: Fünf Bäume wurden entwurzelt, abgeknickt oder so schwer beschädigt, dass sie gefällt werden mussten, darunter eine 1875 gepflanzte Gleditschie. An etlichen Bäumen entstand Schaden durch abgebrochene Stark-Äste.
Aufgrund sorgfältiger und regelmäßiger Pflege des Baumbestandes, zu der unter anderem Entlastungsschnitte der Bäume und sogenannte Kronensicherungen gehören, war der Schaden jedoch nur mäßig, gemessen an der Kraft des Sturmes, der mit Spitzengeschwindigkeiten von zirka 100 km/h über die Insel fegte. Die Kübelpflanzensammlungen, die unter anderem Passionsblumen, Fuchsien und Engelstrompeten umfassen, wurden zum Teil beschädigt, werden sich jedoch wieder vollständig erholen. Die Sommerbepflanzung in den Beeten war noch nicht gänzlich abgeschlossen, sodass sich einige Pflanzen noch in der Gärtnerei befanden. Der bereits ausgepflanzte Sommerflor muss teilweise ausgetauscht werden.
Die Sicherheit der Besucher steht im Vordergrund, sodass drei kleine Parkbereiche vorübergehend gesperrt bleiben, bis die entsprechenden Gefahrenstellen beseitigt sind. Die Insel Mainau ist am Tag danach wieder für Besucher geöffnet, da die Mainau-Mitarbeiter bei den Aufräumarbeiten durch etliche hinzugezogene Firmen unterstützt wurden.
Unwetterbilanz der Polizei
Am Tag danach bilanzierte die Polizeidirektion das Unwetter: Bisher ist nur eine leicht verletzte Person zu beklagen. Die 22-jährige Frau fuhr gegen 16 Uhr mit ihrem Fiat auf der Universitätsstraße durch das Waldgebiet in Richtung Universität, als ein umstürzender Baum auf die Motorhaube des Pkws fiel und die Fahrt jäh gestoppt wurde. Durch die auslösenden Airbags zog sich die junge Frau leichte Verletzungen zu.
Es wurden mindestens vier Pkws durch umgestürzte Bäume total beschädigt. Der Sattelanhänger eines Lastzuges wurde auf der B 33 durch einen daraufgestürzten Baum ebenfalls total beschädigt. Dutzende von Kellerräumen standen unter Wasser, teilweise wurden Ziegel von Häusern abgedeckt, viele Ziegel des Münsterdachs wurden stark beschädigt. Von einem Haus in der Altstadt stürzten größere Teile eines Kamins auf die Strasse.
Der Zugverkehr von und nach Konstanz kam wegen abgerissener Oberleitungen bis zum späten Abend völlig zum Erliegen. Bei der Polizei gingen weit über hundert Notrufe und Hilfeanfragen ein. Nach ersten vagen Schätzungen dürfte die Schadenssumme für die zahlreichen „kleineren“ Schäden im sechsstelligen Bereich zu suchen sein.
Autor: nea – Letzte Änderung: 2009-05-31 11:38:56
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