Melderalarm nach Explosion
21. Oktober 1998
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Bild 1: In einem Labor stürzten Ordner aus den Regalen und liegen verstreut auf dem Boden.
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Bild 2: Im oberen Bildbereich ist der stabile Unterzug aus Beton zu erkennen. Er verhinderte, daß sich die Druckwelle in die anderen Gänge ausbreitete. Dafür gaben die Deckenplatten nach und stürzten herab.
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Kurz vor 12 Uhr ereignete sich im Fachbereich Chemie an der Universität Konstanz eine Explosion. Um 11.59 Uhr wurde der Löschbereich Petershausen zum "Melderalarm Universität" über Piepser verständigt. Schon auf der Anfahrt von TLF 16/24 und DLK 23-12 CC kam von der Leitwarte der Universität die Meldung an unsere Zentrale, daß sich im Fachbereich Chemie auf Ebene L7 eine Explosion ereignet hatte. Nach Alarm- und Ausrückeordnung (AAO) rückten LF 16 und MTW nach.
Nach der ersten Erkundung ergab sich folgendes Bild: Im Westflügel des Chemiegebäudes auf der Ebene L7 hatte sich in einem Raum am Ende des Ganges beim Übergang zur Biologie eine heftige Explosion ereignet. Dadurch wurden Türen und Wände aus ihrer Verankerung gerissen. Die Druckwelle hatte sich zudem einen Weg durch die Zwischendecke gesucht und gefunden. Deren Ausbreitung wurde im Gang erst durch einen massiven Betonunterzug gestoppt. Wo der Druck zu stark wurde, lösten sich Deckenplatten und fielen herunter. Weitere erhebliche Schäden im Flur und in rund 20 Räumen entstanden. Ebenso wurde die Verkabelung in Mitleidenschaft gezogen. Die Brandschutztüre aus Metall zur Biologie ist so ausgebeult, daß sie nicht mehr schließt. In der Biologie war ein deutlicher Knall zu vernehmen, den ein Biologe so kommentierte: "Aha, da ist jetzt etwas explodiert".
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Bild 3: Blick im rechten Winkel zu Bild 1 parallel zum Unterzug.
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Durch die Explosion platzten Glasflaschen und setzten Chemikalien frei. Eine zuerst befürchtete Gefahr durch radioaktive Strahler gab es nicht. Mit einem Explosionsmeßgerät ermittelte ein Trupp unter Preßluftatmern keine gefährlichen Konzentrationen. Ein Chemiker, ebenfalls mit Atemschutz, überprüfte die zu Bruch gegangenen Flaschen. Die dabei ausgetretenen Chemikalien betrachtete er als im wesentlichen ungefährlich. Naphthalin – es ist bekannt aus Mottenkugeln – sorgte für einen strengen Geruch.
Während der Explosion sich hielt niemand im Raum auf. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Die Ebene L7 und Teile der darüber befindlichen Ebene L8 ließen wir vorsichtshalber räumen. Durchsagen über Lautsprecher von der Leitwarte erleichterten die Räumung. Soweit von der Polizei freigegeben, konnten die Uni-Mitarbeiter später wieder an die Arbeitsplätze zurückkehren.
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Bild 4: In einem Labor stürzten die gläsernen Schutzscheiben auf den Boden.
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Bei der Destillation (Verdampfung von Flüssigkeiten) des Lösungsmittels Tetrahydrofuran (THF, Siedepunkt etwa 65 Grad Celsius, mindergiftig, nicht krebserregend, sollte nicht verschluckt werden) vermutlich zu einem Siedeverzug (plötzliches Aufsprudeln von erhitzten Flüssigkeiten durch schlagartig austretendes Gas). Die dabei austretenden Lösungsmitteldämpfe entzündeten sich. Warum es zu diesem Vorgang gekommen ist, steht noch nicht fest. Die vor kurzem installierte automatische Kohlendioxid-Löschanlage erstickte schnell das auftretende Feuer. Eine Notdusche hatte ebenfalls ihre Schleusen geöffnet, als ein herumfliegendes Teil auf den Hahn geriet, und ergoß Wasser auf den Fußboden. Kriminalpolizei und Wirtschaftskontrolldienst haben die Ermittlungen aufgenommen.
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Bild 5: Gefahrgutunterlagen werden sicher in einem Schränkchen aufbewahrt. Dieses kann mit einem Notschlüssel, der sich in dem roten Kästchen rechts hinter Glas befindet, im Ernstfall geöffnet werden.
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Weitere Überlegungen von Feuerwehr und Universität betrafen die Risiken wegen beschädigter Leitungen und laufender Versuche, was mit den Verantwortlichen der Technik und des Fachbereichs Chemie geklärt werden konnte. Nach ersten Schätzungen entstand Sachschaden von mindestens 300 000 Mark. Wir waren über die automatische Brandmeldeanlage verständigt worden. Ein Mitarbeiter in den Labors hatte zuvor einen Feuermelder eingeschlagen und so die Alarmierung ausgelöst. Die automatischen Melder sprachen erst kurze Zeit später an.
Der Einsatz dauerte für uns knapp eindreiviertel Stunden. Unser ELW 2 kam ebenfalls an die Einsatzstelle. Die Einsatzleitung hatte Kommandant Dieter Quintus. Kreisbrandmeister Rolf-Jürgen Stoffel kam, um sich zu informieren.
Fotos: Nikolaj Schutzbach, FF Konstanz
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