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Hochwasser 1999

Vorbemerkungen
22. Mai 1999 – Der erste Tag
23. Mai 1999 – Der zweite Tag
24. Mai 1999 – Der dritte Tag
...
08. Juni 1999 – Mit Ölsperren gegen Überflutung
...
30. Juni 1999 – Feuerlöschboot verlegt
05. Juli 1999 – Hochwassermarke unterschritten
14. Juli 1999 – Aufräumarbeiten beendet

Bilder vom Hochwasser 1987.

Links

Aktueller Pegel
Hochwasservorhersagezentrale Ba-Wü
Hochwasser-Vorhersage-Zentrale Baden-Württemberg (Backup-Server)
Hochwasser-Vorhersage-Zentrale Baden-Württemberg (WAP über Handy)

Weitere Berichte

Seespiegel: Das Bodenseehochwasser im Frühsommer 1999 Erfahrungsbericht
schwarz-lindau.de: Hochwasser am See, Teil 1 Mai
schwarz-lindau.de: Hochwasser am See, Teil 2 Juni

Allgemein

Hochwasser-Broschüre des Ministeriums für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg
Hochwasser-Informationen der DLRG

Hochwasserschutz-System "Aqua-Barrier"

Erfinderpreis für preiswerten Hochwasserschutz
Geodesign AB: Aqua Barrier in Konstanz
Aqua-Barrier – Jacob Nettekoven Techn. Handels-GmbH, Köln

Alternatives Hochwasserschutz-System

"Quick-Damm"


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Vorbemerkungen

Idyllische Ruhe am Hafen
So idyllisch war es nicht immer am Konstanzer Hafen. Foto: bodenseebilder.de

Auch wenn bei der Berichterstattung zum Hochwasser viel von Feuerwehr die Rede ist: Ohne die engagierte Zusammenarbeit von Hilfsorganisationen, Behörden, Ämtern, Verwaltung und Fachabteilungen wäre eine erfolgreiche Bekämpfung und Eindämmung des Hochwassers an Pfingsten und den Tagen danach nicht möglich gewesen. Bei einer der großen Lagebesprechungen waren einmal fast 40 Teilnehmer anwesend; trotzdem wurde auch hier meist sehr konzentriert gearbeitet. Es seien – ohne Gewähr der Vollständigkeit und in beliebiger Reihenfolge – genannt: Oberbürgermeister oder Bürgermeister, Wasserschutzpolizei, Zoll, Bundesgrenzschutz, Polizei, Bodensee-Schiffs-Betriebe, Fähre, Stadtwerke, EBK, TBK, Kläranlage, Kreisbrandmeister, Landratsamt, Feuerwehr Konstanz, Feuerwehr Kreuzlingen, E-Werk, Straßenbeleuchtung, Deutsche Bahn AG, ...

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22. Mai 1999 – Hochwasser: Der erste Tag

Vorspiel

(thn) Mehrere Tage anhaltender Regen und die für diese Jahreszeit übliche Schneeschmelze in den Alpen – dieses Jahr besonders viel durch heftige Schneefälle – sorgte dafür, daß der Pegel des Bodensees bedrohlich anstieg. Bereits im Vorfeld wurden Maßnahmen für den Fall der Fälle getroffen: Einige Feuerwehrangehörige wurden in telefonische Rufbereitschaft versetzt; bei einem Pegel von 500 cm war der Stellvertretende Kommandant Peter Renker zu informieren, da Kommandant Dieter Quintus am Pfingstsamstag für 14 Tage in Urlaub fuhr. Die kritische Marke wurde am Freitag, 21. Mai, nachmittags erreicht.

Stadtgarten unter Wasser
Der Stadtgarten unter Wasser; Blick Richtung Seestraße. Foto: Aurelia Scherrer

Es wird ernst

Samstag morgen gegen 7.30 Uhr: Pegel 531 cm, Tendenz steigend.

Bereits um diese Zeit wurden der Stellvertretende Kommandant Peter Renker, der Brandmeister vom Dienst (BvD) Klaus Koch und die Rufbereitschaft zusammengetrommelt. Gefährdete und schon überschwemmte Bereiche wurden erkundet, Einsatzschwerpunkte gebildet und erste Maßnahmen eingeleitet.

Gegen 10 Uhr wurde die Technische Hilfe (TH) Petershausen alarmiert: Tiefgarage Max-Stromeyer-Straße unter Wasser, eine Tragkraftspritze (TS 8), eine Tauchpumpe sowie einen Wassersauger setzte die Feuerwehr ein. Danach ging es Schlag auf Schlag: Einsatz für Technische Hilfe und Löschbereich Altstadt. Es galt das akut gefährdete Stellwerk am Bahnhof, die Marktstätte-Unterführung (Trafo-Station, Kiosk, Toilettenanlagen) und Gebäude im Bereich der Fischenzstraße mit Sandsäcken zu schützen.

Gefahr für das Stellwerk

Sollten größere Wassermengen in den Keller des Stellwerks eindringen, würde dieses ausfallen. Im Keller lagert die lebenswichtige Elektronik (Wert: rund fünf Millionen Mark) und das Notstromaggregat. Ein Stellwerksausfall hätte für den Zugverkehr verheerende Folgen.

Im Laufe des Tages wurden dann im Schichtdienst die Löschbereiche Wollmatingen, Allmannsdorf und Litzelstetten zum Füllen von Sandsäcken auf dem Gelände der Kläranlage alarmiert. Dort unterstützte auch das Technische Hilfswerk (THW) die Feuerwehr.

Am frühen Nachmittag gab es die erste große Lagebesprechung in der Feuerwache mit Polizei, Wasserschutzpolizei (Wapo), THW, Stadtwerke, Entsorgungsbetriebe (EBK) und den Technischen Betrieben (TBK) der Stadt Konstanz. Weitere Maßnahmen wurden beschlossen und wichtige Aufgaben verteilt; man bereitete sich auf eine längere Einsatzdauer vor.

Einsatzschwerpunkte

Stadtgarten unter Wasser
Säcke abladen im Akkord. Ein Lastwagen der Technischen Betriebe (TBK) muß als Transportreserve herhalten. Foto: Aurelia Scherrer

Weitere Einsatzschwerpunkte an diesem Samstag waren die Seetankstelle in Wallhausen und der dortige Uferbereich, der Bereich Stromeyersdorf mit der neu eröffneten Gastronomie; auch das Gebäude der Wapo und einige Gewerbebetriebe waren betroffen, da das Wasser durch die Gemäuer in die Keller eintrat. Im Industriegebiet Unterlohn standen Kellerwohnungen und Straßen im Bereich Fritz-Arnold-, Siemens- und Robert-Bosch-Straße unter Wasser. Unsere Maßnahmen mußten sich dort darauf beschränken, Tauchpumpen zum Halten des bereits vorhandenen Wasserstandes einzusetzen; zum Beispiel in einem Betrieb mit Maschinen im Wert von mehreren Hunderttausend Mark.

Da man sich auf ein langes Einsatz-Wochenende vorbereitete, nahm die Einsatzleitung weitere Planungen in Angriff: Die Verpflegung der eingesetzten Kräfte mit Essen und Getränken organisieren, den Bestand von Sandsäcken erfassen, und den weitere Personaleinsatz planen, wobei immer ein Löschbereich für weitere Paralleleinsätze in Reserve gehalten wurde.

Im Hafenbereich wurden weitere Objekte, wie das alte Zollhaus und Gebäudeöffnungen des Konzils mit Sandsäcken gesichert. Um die Öltanks der Bodensee-Schiffs-Betriebe (BSB) wurde eine Ölsperre zur Sicherung verlegt.

Nachspiel

Gegen Mitternacht entließ die Einsatzleitung das Personal in die wohlverdiente Nachtruhe. An diesem Tag waren rund 150 Feuerwehrleute im Einsatz.

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23. Mai 1999 – Hochwasser: Der zweite Tag

(thn) Kurz vor 3 Uhr spitzte sich die Lage beim Stellwerk dramatisch zu: das Wasser drückte durch das Kiesbett der Gleisanlagen. Die Versorgungsschächte des Stellwerks füllten sich mit Wasser, größere Schäden drohten. Die alarmierten Kräfte der Technischen Hilfe Petershausen setzten zwei Tauchpumpen in den Schächten ein und brachten eine neue Sandsackbarriere aus. Dieser Einsatz wurde gegen 5 Uhr beendet.

Bau eines SandsackwallesBau eines Sandsackwalles
Bau des Sandsackwalls vor der Marktstätte-Unterführung. Zur Orientierung: Linker Hand befindet sich das Hafenbecken, rechts geht's zur Unterführung. Zuerst muß eine stabile "endlose" Plane ausgebracht werden. Darauf werden je nach Bedarf mehrere Lagen Sandsäcke gestapelt (linkes Bild)d. Anschließend wird die Plane über die Säcke geschlagen und von oben mit einer Lage Sandsäcken stabilisiert (rechtes Bild). Zum Frust für die Hilfskräfte haben uneinsichtige Passanten immer wieder durch übersteigen Sandsäcke abgeworfen. Fotos: Claudia Rindt

Der zweite Hochwassertag fand für uns seine Fortsetzung kurz vor 10 Uhr mit der Alarmierung der telefonischen Rufbereitschaft sowie der Technischen Hilfen Petershausen und Altstadt. Stand des Pegels Konstanz: 562 cm.

Die Lage verschärft sich

Um 10 Uhr fand erneut eine große Lagebesprechung mit den anderen Hilfsorganisationen und den zuständigen Behörden und Abteilungen der Eigenbetriebe in der Feuerwache statt.

Als Einsatzschwerpunkte kristallisierten sich wieder das Industriegebiet, das Stellwerk und der Bahnhof heraus.

Im Industriegebiet standen weiterhin Teile der Fritz-Arnold-Straße, Siemens-Straße und Robert-Bosch-Straße mehrere Zentimeter tief unter Wasser. Die Anwohner der betroffenen Wohnungen und Kellerräume konnten nur vertröstet werden, selbst Maßnahmen einzuleiten und zu warten bis das Wasser von selbst zurückgeht.

Im Bereich des Stellwerks wurden die bereits getroffenen Sicherungsmaßnahmen geprüft und erweitert. Mit mehreren Tauchpumpen und dem LF 16-TS Altstadt (1/45) wurden Versorgungsschächte – über die Wasser ins Stellwerk drang -, leer gepumpt, so daß in der Folgezeit weitere Abdichtungen eingebracht werden konnten. Ein längerer Einsatz eines Löschfahrzeugs beim Stellwerk konnte aus taktischen Überlegungen die Einsatzleitung nicht verantworten, so daß es am Abend abgezogen wurde. Der Deutschen Bahn AG gelang es jedoch, durch eigens herbeigeschaffte Pumpen, den Wassermassen Herr zu werden.

Bahnhof

Im Keller des Bahnhofs pumpten mehrere Tauchpumpen mit Unterstützung des RW 2 Öl (6/59) einige Räume leer. Als der Wasserspiegel hinreichend gesenkt war, erkannte der zuständige Gruppenführer anhand von Zuführungen, daß die betroffenen Räume extra zum Fluten gedacht sind, um ein Aufschwimmen des Bahnhofsgebäudes zu verhindern. Der Gruppenführer beendete daher den Einsatz. Auf Dauer hätten sich sowieso die über das Gleisbett herein drängenden Wassermassen nicht mit vertretbarem Aufwand abpumpen lassen.

Bau eines Sandsackwalles
In der Fischenzstraße wird ein Sandsackwall aufgebaut. Foto: Bernd Oser

In der Hebel-, Alpen-, Seestraße und Grüngang war die Straßenbeleuchtung teilweise außer Betrieb. In der Alpenstraße sicherte die Feuerwehr einen Stromverteilerkasten mit Sandsäcken.

Zeitweise mußte am Pfingstwochenende der Fährbetrieb eingestellt werden. Statt dessen gab es einen Ersatzverkehr mit zwei Bussen und einem Lastwagen für Fahrradtransporte um den Überlinger See herum. Später konnten zwischen Meersburg und Konstanz-Staad die zwei kleinen Fähren "Hegau" und "Thurgau" verkehren. Sie beförderten jedoch nur Fußgänger und Radfahrer. Durch den Bau von Holzrampen auf den Brücken, war es den Stadtwerken gelungen, den Fährbetrieb wieder aufzunehmen. Als der Wasserstand etwas gesunken war, konnten sogar Autos wieder befördert werden. Zeitweise dienten Lastwagen oder Kippmulden als Ballast, damit die Schiffe tiefer im Wasser lagen.

Pegel unverändert

Um 17 Uhr fand wieder eine große Lagebesprechung statt. Der Pegel Konstanz blieb nahezu unverändert; nur im Seerhein und im Untersee war ein weiterer Anstieg zu verzeichnen!

In der Fischenzstraße mußte der Stromverteiler abgeschaltet werden, da er akut durch das im Seerhein weiter steigende Wasser gefährdet war. Die Stadtwerke (E-Werk) installierte weiter zurückliegend einen Notverteiler, da diese Gebiet sonst lange stromlos geblieben wäre.

Auf das über Zuflüsse in den Obersee angeschwemmte Treibholz richteten die Verantwortlichen ihren besonderen Augenmerk: Zu dieser Zeit bestand jedoch für den Konstanzer Trichter keine Gefahr, da das Holz durch die Strömung auf die Ufer bei Langenargen, Friedrichshafen und Lindau gedrückt wurde. Erst bei einem Ostwind hätte die Gefahr bestanden, daß das Holz Richtung Konstanz treibt und zu einer Gefahr für die "Alte Rheinbrücke" und die "Fahrrad- und Fußgängerbrücke" würde.

Nach dem Bau eines Sandsackwalles
Die trockengelegte Fischenzstraße (links) am Seerhein nachdem der Sandsackwall errichtet ist. Foto: Bernd Oser

Weitere Folgen

Der Sportflugplatz mußte wegen Überflutung gesperrt werden. Die Brücke über den Bahnhof an der Bodanstraße mußte vorübergehend gesperrt werden, da zu diesem Zeitpunkt der verantwortliche Statiker nicht erreichbar war. Aufgrund der Sperrung des Bahnübergangs hatten sich die riesige und sonst nicht übliche Menschenmassen über die Brücke bewegt. Am Dienstag morgen konnte die Sperrung aufgehoben werden.

Die Insel Mainau hatte von einem Privatunternehmen Holzstege errichten lassen, damit die Besucher trockenen Fußes auf die Blumeninsel gelangen konnten. Teile des Parkplatzes, des Wendehammers und der Fußwege standen unter Wasser. Busse der Stadtwerke verstärkten den Pendelverkehr über die Brücke auf die Mainau.

Auch an diesem Tag waren wieder rund 150 Feuerwehrangehörige im Einsatz, um Sandsäcke zu füllen, Einsätze zu leiten und zu planen, Sicherungsmaßnahmen auszuführen oder die wichtige Verpflegung sicher zu stellen.

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24. Mai 1999 – Hochwasser: Der dritte Tag

Klein-Lkw des THW
Der Klein-Lkw des THW beim Yachthafen des DSMC. Die Uferstraße steht dort bis zu 40 Zentimeter unter Wasser. Foto: Claudia Rindt

(thn) Auch am dritten Tag (Pfingst-Montag) des "Bodensee-Jahrhunderthochwassers" waren die Angehörigen unserer Feuerwehr wieder den ganzen Tag über im Einsatz.

Höchststand

Am Morgen gegen 5 Uhr stieg der Bodenseepegel in Konstanz auf den bisherigen Höchststand von 565 cm. Den ganzen Tag schwankte er zwischen 564 cm und 565 cm.

Lage nach der morgendlichen Besprechung

Der Wetterbericht sagte uns Wind, Regen und weitere Schneeschmelze voraus, was nicht unbedingt zur Beruhigung beitrug. Durch einen Rückstau in der Kanalisation in weiten Teilen des Industriegebietes blieben weiterhin Wohnungen und Straßenbereiche überflutet. Trotz annähernd konstantem Pegel im Obersee, stieg der Wasserstand im Seerhein und Untersee weiter an. Das Abwasserpumpwerk Vorderer Bodanrück, welches die Gemeinden Reichenau und Allensbach entsorgt, mußte abgestellt werden. Durch diese eingeschränkte Abwasserreinigung, wurde das Wasser in den See "notentlastet". Die Landeshochwasserzentrale in Vorarlberg meldete fallende Wasserstände in den Seezuflüssen.

Über Stege zu den Schiffen
Im Konstanzer Hafen gelangen die Passagiere nur über Stege auf ihre Schiffe. Foto: bodenseebilder.de

Bei den Bodensee-Schiffs-Betrieben (BSB) wurde die bereits verlegte Ölsperre mit weiteren Sperren vergrößert. In einer Wohnung im überfluteten Industriegebiet fing ein Stromverteilerkasten Feuer; durch den Einsatz eines Tanklöschfahrzeuges und des E-Werks konnte weiterer Schaden verhindert werden. Auch die Feuerwehrkräfte waren vom Hochwasser betroffen: Die Abfüllstation der Sandsäcke auf dem Gelände der TBK ist durch aus dem Kanal hoch drückendes Wasser bedroht. Es mußten bereits 400 Tonnen Streusalz, welches dort lagerte, in Sicherheit gebracht werden.

Verärgerung

Ein Problem das bei den eingesetzten Einsatzkräften Unverständnis und Wut hervorrief, waren die teilweise uneinsichtigen und unverschämt auftretenden "Katastrophentouristen". So mußten immer wieder Sandsackketten unterbrochen werden, um keinen Passanten durch einen Wurf an den Kopf zu verletzten. Unbeeindruckt bahnten sich zahlreiche Unvernünftige einen Weg durch die Einsatzkräfte. Die Helfer mußten sich Beleidigungen anhören; Worte wie "Entmündigung" oder "Staatsterror" fielen, wenn Passanten gebeten wurden, die Absperrungen zu beachten. Besonders Schlaue stiegen mit Ihren Fahrrädern oder Kinderwagen über Sandsackbarrieren und beschädigten diese. Als Konsequenz daraus wurden die meisten überschwemmten Bereiche unter der Mitwirkung der Polizei und des Bundesgrenzschutz durch Gitter und Beamte abgesperrt.

Highlife auf der überfluteten Seetraße
Unzählige Fußgänger und Radfahrer bewegen sich auf der aus Sicherheitsgründen abgesperrten Seetraße. Foto: bodenseebilder.de

Da mit einem weiterem Ansteigen des Pegels gerechnet wurde, wurden am Nachmittag von der Feuerwehr und dem THW das komplette Konzil und das Sea Life Centre mit Sandsäcken geschützt. Bereits vorhandene Schutzdämme an der Markstätte-Unterfühuung und am Stellwerk der Bahn wurden verstärkt. Dort wurden an diesem Tag mehrere tausend Sandsäcke ausgebracht. Über die Leitstelle wurden weitere 5 000 Sandsäcke aus Villingen angefordert.

In unregelmäßigen Abständen wurden die bereits gesicherten Einsatzstellen kontrolliert.

Weitere Ergebnisse aus Lagebesprechungen

Leichte Gewitter im Einzugsgebiet, "Seenachtsfeststimmung" in der Seestraße, weitere Sandsäcke, Kabelbinder, Baufolie und Sand wurden organisiert. Die Lage in der stark betroffenen Fischenzstraße blieb weiter stabil. Eine Gefahr des Aufschwemmens der Öltanks der BSB bestand nicht. Zwei Tanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils 36 000 Liter waren voll, ein weiterer mit 42 000 Liter zur Hälfte gefüllt.

Der Stromverteilerkasten in der Alpenstraße ließ sich am Morgen nicht mehr halten. Er mußte vorübergehend abgeschaltet werden. Nachdem er mit einer speziellen Abdichtung versehen worden war, konnten die umliegenden Häuser wieder mit Strom versorgt werden.

Das THW errichtete vor dem Sea Life Centre eine Sandsackbarriere als Wellenbrecher und gegen das Aufschwemmen. Das Sea Life Centre ist bis zu einem Pegel um 590 cm relativ sicher.

Zum Schutz der Uferbereiche wurde eine Verordnung für die Schiffahrt erlassen: Der Abstand der fahrenden Schiffe zum Ufer mußte mindestens 500 Meter betragen, eine Geschwindigkeitsbeschränkung wurde verordnet und im Abschnitt zwischen Neuer Rheinbrücke und Gottlieben die Schiffahrt eingestellt.

Auch an diesem Pfingstmontag waren rund 150 Einsatzkräfte der Feuerwehr wieder bis in die späten Abend- bzw. frühen Morgenstunden im Kampf gegen das Wasser im Einsatz.

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08. Juni 1999 – Mit Ölsperren gegen Überflutung

(thn) Gegen 22.30 Uhr wurde die Ölwehr zu einem weiteren Hochwassereinsatz alarmiert. Einsatzort war die Bundesstraße 33 in Höhe des Sportflugplatzes. Dort hatte sich neben der stadtauswärts führenden Spur, durch den Rückstau des Mühlenbachs, ein großer See gebildet. Da die B 33 eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen von und nach Konstanz ist, faßte die Polizei den Entschluß, diese vor Überflutung zu sichern. Um ein Verkehrschaos zu vermeiden, entschloß man sich für diesen späten Zeitpunkt.

Am Fahrbahnrand sollte auf einer Länge von 400 bis 500 Meter eine normalerweise auf dem Wasser einsetzbare Ölsperre (Ökotec-Sperre) ausgebracht werden. Bei dieser Sperre handelt es sich um einen Kunststoffschlauch mit zwei Kammern, von denen die kleinere mit Wasser und die größere mit Preßluft gefüllt wird. Für den Einsatz waren folgende Fahrzeuge vorgesehen:

ELW 1 (1/10), ELW 1 (2/10), ELW 1 (3/10), LF 16 Petershausen (6/44), RW 2 (6/52) und RW 2 Öl (6/59). Als erste Maßnahme wurde um 23 Uhr die Vollsperrung der B 33 durch die Feuerwehr und das Straßenbauamt vollzogen.

Widerspenstige Sperre
Links im Bild das angestaute Wasser des Mühlenbachs mit einer darin schwimmenden Sperre. Foto: Bernd Oser

Zwei Versuche

Da sich direkt an der Einsatzstelle eine Straßenbaustelle befand, mußte auch ein rund 400 Meter langes Absperrgitter um zwei Meter auf die Straße versetzt werden. Die beiden Rüstwagen leuchteten die Einsatzstelle aus. Die Mannschaft von 6/44 erhielt den Auftrag, aus dem Mühlenbach Wasser zu entnehmen und eine rund 150 Meter lange B-Leitung zum Füllen der Sperren zu verlegen. Parallel dazu war die restliche Mannschaft mit dem verlegen der Ölsperren beschäftigt.

Die Sperren sind als Endlosschlauch auf C-Schlauchhaspeln untergebracht und können je nach erforderlicher Länge abgeschnitten werden. Nachdem die Füllarmaturen angebracht waren, füllten Feuerwehrleute die große Kammer mit Wasser. Dieser Versuch schlug aber fehl: als die Sperre halbvoll war, begann sie sich um die eigene Achse zu drehen und einzuwickeln. Es gelang nicht sie wieder zu entwirren und aus dem Straßengraben zu ziehen. Die Sperre wurde teilweise beschädigt. Nachdem die Feuerwehr erneut Sperren ausgebracht hatte, versuchte sie die kleinere Kammer zu füllen. Der Erfolg währte nur ein wenig länger als beim ersten Versuch.

Fehlschlag

Nach diesem erneuten Fehlschlag beschloß die Einsatzleitung, den Einsatz abzubrechen. Die Aufräumarbeiten zogen sich bis gegen 3 Uhr hin. Das Absperrgitter mußte von der Feuerwehr wieder an seinen ursprünglichen Platz gestellt und die komplette Straßenabsperrung abgebaut werden.

Die Sicherung der Bundesstraße erfolgte in den darauffolgenden Tagen durch ein Fuhrunternehmen, das einen Sandwall aufschüttete.

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29. Juni 1999 – SÖG verlegt

Das SÖG ist an den Liegeplatz Hallenbad verlegt worden. Es lag die letzten Wochen am Steg der Wasserschutzpolizei im Stromeyersdorf.

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30. Juni 1999 – Feuerlöschboot verlegt

Das Feuerlöschboot wurde an den Liegeplatz Yachthafen an der Seestraße verlegt. Es hatte während des Hochwassers im Hafen bei der Imperia gelegen.

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05. Juli 1999 – Hochwassermarke unterschritten

Im Laufe des Tages unterschritt der Pegel Konstanz die Hochwassermarke von 480 cm.

Zwei Feuerwehrangehörige mit Unterstützung von fünf Arbeitslosen, die das Arbeitsamt vermittelte, begannen mit den Aufräumarbeiten. Tausende von Sandsäcken mußten abgeräumt werden, die unter anderem im Hafenareal, in der Fischenzstraße, am Rheintorturm, an der Spanierstraße und in Wallhausen zur Sicherung gegen das Hochwasser aufgestapelt worden waren.

Überflutete Seetraße
Vergangenheit: Die überflutete Seetraße. Foto: bodenseebilder.de
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14. Juli 1999 – Aufräumarbeiten beendet

Heute konnte die Feuerwehr die Aufräumarbeiten abschließen. 20 000 gefüllte Sandsäcke, 160 Tonnen Sand und weitere 50 Tonnen Material mußten entsorgt werden. Weit über 5 000 Stunden waren die freiwilligen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer im Einsatz. Rund 30 000 Mark Materialkosten waren aufzuwenden. Die 1 800 Tonnen Kies, die als Damm am Hafen aufgeschüttet waren, sind von einem Fuhrunternehmen inzwischen – entgegen früherer Planungen – auf dem Festplatz Klein Venedig ausgebracht worden.

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