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Städtepartnerschaft/Jumelage mit Fontainebleau (Frankreich)

Feuerwehr Fontainebleau (Site de l'amicale des Sapeurs-Pompiers de Fontainebleau)
Sportliche Aktionen im Jahr 2000

Eine Erinnerung von Ehrenkommandant Rudolf Santo

Nach dem Zweiten Weltkrieg; die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland hatte begonnen. Am 100-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz im Jahre 1957 nahmen unter Leitung von Colonel Lüttmann über 50 französische Feuerwehrkameraden aus dem elsässischen Mühlhausen teil. Über das CTIF, der internationalen Vereinigung der Feuerwehren, das nach dem Kriege seine Arbeit wieder aufgenommen hatte, kam diese Verbindung zustande.

Der Wunsch nach Kontakten zu einer französischen Stadt war auch innerhalb der Stadtverwaltung und des Stadtrates vorhanden. Oberbürgermeister Franz Knapp führte mit Unterstützung der neu gegründeten Deutsch-Französische Vereinigung diesbezügliche Gespräche mit der Nahe Paris gelegenen Stadt Fontainebleau. Dort stand der erste deutsche NATO-General Speidel in persönlichen Kontakt zum dortigen Bürgermeister Pajot und in Konstanz zu OB Knapp. In diese Gespräche schaltete sich die Feuerwehr von Fontainebleau ein.

Mit Datum vom 18. März 1958 erhielt ich einen Brief des Kommandanten aus Fontainebleau mit dem Vorschlag einer partnerschaftlichen Verbindung. Bereits an Pfingsten 1958 kam Capitaine Georges Revoy mit Feuerwehrkameraden und Vertretern der Stadt Fontainebleau zu einem Informationsbesuch nach Konstanz. Dies sollte der Beginn einer langen Freundschaft werden.

Im Juli 1958 fuhr ich mit Kamerad Fredy Sutter zu einem ersten Besuch nach Fontainebleau. Seither kommt es regelmäßig zu gegenseitigen Besuchen der Feuerwehrangehörigen beider Städte.

1959 wechselten in beiden Städten die Oberbürgermeister. In Fontainebleau wurde Professor Paul Seramy und in Konstanz Bruno Helmle gewählt. Beide waren überzeugte Europäer. Auf Beschluss der beiden Stadtparlamente kam es Pfingsten 1960 zur offiziellen Verschwisterung im Schloss zu Fontainebleau. Im Herbst des gleichen Jahres erfolgte die Bestätigung in Konstanz im Insel-Hotel. Der europäische Gedanke und der Friedenswillen der Bevölkerung beider Städten kam zum Tragen. Stadtverwaltung, Organisationen und Vereine trugen durch gegenseitige Verbindungen, Besuche und regen Gedankenaustausch zum Gelingen der Verschwisterung bei.

Schon 1959 folgte die Freiwillige Feuerwehr Konstanz zum ersten Mal der Einladung zur Fête de Barbe (Barbarafest am 4. Dezember). Seither nehmen auch die französischen Kameraden am Kameradschaftsabend in Konstanz teil. 1962 nahmen der Spielmannszug und eine Abordnung der Wehr mit den Kameraden aus Fontainebleau an einem Feuerwehrtag des Departements Seine et Marne teil.

1963 besuchte die Feuerwehr Fontainebleau zusammen mit der Feuerwehr Konstanz das 100-jährige Jubiläum der FF Meersburg in Verbindung mit der Tagung des internationalen Bodenseefeuerwehrbundes (BFB). Die Anwesenheit der französischen Freunde demonstrierte eindrucksvoll die entstandene Verbundenheit.

1964 schenkte die Konstanzer Feuerwehr einem französischen Kameraden und dessen Frau einen zehntägigen Ferienaufenthalt in Konstanz. Dieser berichtete später, dass sein Souvenir aus Konstanz pünktlich nach 9 Monaten angekommen sei.

Das offizielle 5-jährige Bestehen wurde an Pfingsten in Fontainebleau und im Oktober in Konstanz unter Mitwirkung der Feuerwehren gefeiert. Private Verbindungen zwischen den Familien der Angehörigen der Feuerwehren entstanden in dieser Zeit und haben bis heute Bestand.

Capt. Revoy trat im Herbst 1971 aus Altergründen zurück und übergab sein Amt an Pierre Masqueliers.

Zum l0-jährigen Jubiläum 1970 kamen unter Führung von Lt. Pierre Masqueliers, Dr. Kurt Wels und Daniel Durolet die französischen Kameraden mit Schlauchbooten nach Konstanz. Höhepunkt war damals die Taufe der neuen Fähre durch die Frau von Bürgermeister Seramy auf den Namen "Fontainebleau".

Capt. Masqueliers – er war auch gleichzeitig verantwortlich für die Wasserversorgung – wurde 1971 versetzt. Capt. Robert Astier übernahm die Leitung. Am folgenden Kameradschaftsabend in Konstanz erfuhr er, dass die Feuerwehr Konstanz 1972 zu Fuß eine fahrbare Handdruckspritze als Erinnerungsgeschenk nach Fontainebleau transportieren würde. Begeistert unterstützte Astier die Vorbereitungen. Der Abmarsch war am 29. April, die Ankunft in Fontainebleau am 11. Mai. Die Bevölkerung bereitete der Marschgruppe nach 600 Kilometern Fußmarsch einen herzlichen Empfang. In Konstanz war die Berichterstattung im Südkurier das Thema des Tages.

Für die Teilnehmer des Marsches, und auch für mich, ergaben sich immer wieder Erinnerungen an den Krieg und seine Folgen. So in Altkirch, als wir gebeten wurden an einer Gedenkfeier für die Gefallenen teilzunehmen; Oder in Troyes als die Marschgruppe in eine Parade zur Erinnerung an die Kapitulation Deutschlands eingegliedert wurde.

Ein Jahr später überbrachten Wels und Durolet einen besonderen Gruß: Sie sprangen mit dem Fallschirm beim Flugplatz in Konstanz ab. In den Jahren 1973/74 ergaben sich freundschaftliche Verbindungen mit dem französischen Feuerwehrband im Departement Melun. Diese erwiderten den Besuch zur Tagung des BFB in Überlingen.

1975: 15 Jahre Jumelage. Unsere Kameraden aus Fontainebleau brachten mit Capt. Astier an der Spitze die Nachbildung einer Olympiafackel in einem Staffellauf nach Konstanz. Am Gottlieber Zoll wurde die Laufgruppe mit Musik empfangen. Gemeinsam erfolgte der Marsch zum Obermarkt. Unter dem Beifall der Bevölkerung wurde dort die Europafahne OB Helmle in Anerkennung der Leistung der Stadt für die europäische Verbindung übergeben. Capitaine Astier wurde im Rahmen einer Veranstaltung des Kreisfeuerwehrverbandes Konstanz mit dem deutschen Feuerwehrehrenkreuz in Silber ausgezeichnet.

Eine neue Idee hatten Dr. Wels und Capitaine Astier 1978. Sie kamen mit weiteren Kameraden zu Pferd; 600 Kilometer Ritt durch Franreich und Deutschland.

1980: Der 20-jährige Jahrestag wurde an Pfingsten in Konstanz gefeiert. Beim Gegenbesuch im September stand die Feuerwehr Fontainebleau im Mittelpunkt. Das neue Gerätehaus wurde seiner Bestimmung übergeben. Unter Mitwirkung einer französischen Militärkapelle und dem damals bestehenden Musikzug des Unterabschnittes Konstanz gab es festliche und gemütliche Festtage.

Das 125-jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz im Jahr 1982 vereinigte die Feuerwehren aus der Schweiz, aus Österreich, aus Frankreich und aus Deutschland. In einem durch die Vielfalt der Nationen geprägten Festzug wurde der mitfeiernden Bevölkerung der Wert aber auch die Aufgabe der Feuerwehren nahegebracht.

Capitaine Robert Astier wurde 1983 zum Colonel befördert und nach Melun berufen. Mit seinem Nachfolger Capitaine Guy Gervais bestand von Anfang an ein herzliches Verhältnis. Kurz nach seinem Dienstantritt festigte er die Verbindung durch seinen Besuch in Konstanz.

Das Silberne Jubiläum stand 1985 bevor. Mit fünf Kajaks paddelten eine Feuerwehrfrau und zwölf -männer vom Bodensee, über den Rhein und über die französischen Kanäle nach Fontainebleau. Am 9. Mai erfolgte der Start; am 24. Mai war das Ziel Fontainebleau erreicht. Wochenlange Vorbereitungen und das Training hatten den Erfolg gesichert.

Das Fest übertraf alles bisherige. Ein Festakt im Schlosshof mit der Erneuerung der abgelegten Eide unter Teilnahme von Hunderten Bürgern der Stadt Konstanz und von Ehrengästen aus Politik und Wirtschaft beider Länder, sowie der Bevölkerung von Fontainebleau zeugten vom Zusammenfinden und der gegenseitigen Sympathie der beiden Nationen.

Soweit meine Erinnerung zu der Jumelage mit Fontainebleau. Die Arbeit wurde nach meinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst 1987 von meinem Nachfolger Dieter Quintus weitergeführt.

Für mich bedeutete nach dem Krieg die Jumelage das gegenseitige Anerkennen, in dem Anderen nicht den Feind, sondern den Freund sehen. Ich danke Allen, die mich dabei unterstützt haben. Die alten Kameraden kenne ich noch, die Jungen, die erfreulicherweise jetzt die Verbindung pflegen sind mir namentlich nicht bekannt. Viele in Fontainebleau und hier bei uns sind nicht mehr. Ich möchte schließen mit einem Wort von dem leider verstorbenen Oberbürgermeister von Fontainebleau Paul Seramy, der sich als Europäer verstand. Er führte einmal aus: "Es ist eine alte pädagogische Weisheit, dass wir uns zuerst verstehen müssen, um uns gegenseitig zu schätzen und später lieben zu lernen." Über diese Worte lohnt es sich nachzudenken.

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