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02. Juni 2000 - Benzinlaster in Flammen

Brandstelle: Blick von unten
Blick von unterhalb der Unglücksstelle. Links im Bild rückt die Feuerwehr Konstanz an.

Gegen 10.20 Uhr brannte nach einem Unfall in der Kreuzlinger Bergstraße ein Benzinlaster. Ein nahe der Unglückstelle stehendes Haus geriet ebenfalls in Brand. Der 50-jährige Fahrer aus St. Gallen wurde getötet und verbrannte im Führerhaus. Das Fahrzeug hatte über 19 000 Liter Benzin geladen.

Auf der Talfahrt stieß der Tanklaster am Ende einer S-Kurve gegen eine Leitplanke, riss diese teilweise um und kippte auf einen Gehweg. Gleich darauf begann er brennen. Dem Fahrer gelang es nicht mehr, aus dem Führerhaus zu klettern. Die Flammen griffen auf ein wenige Meter entferntes mehrstöckiges Wohnhaus über. Binnen kurzem stand eine riesige schwarze Rauchsäule am Himmel, die noch hinter Markdorf zu sehen war.

Als die Feuerwehr Kreuzlingen an der Einsatzstelle eintraf, floss brennendes Benzin die Straße herunter. Ein rasch ausgebrachter Schaumteppich bannte die Gefahr, die eine etwa 150 Meter entfernte Tankstelle bedrohte. Erst danach konnten Atemschutzträger in das brennende Haus vordringen um es nach Bewohnern zu durchsuchen. Diese hatten sich jedoch rechtzeitig in Sicherheit bringen können, so dass von ihnen keiner zu Schaden kam. Sieben Erwachsene und zwei Kinder mussten sich vorübergehend eine Notunterkunft suchen.

Kontrollierter Abbrand

Als nächstes galt es das brennende Benzin kontrolliert abbrennen zu lassen. Zum Wohnhaus bauten Feuerwehrleute eine Riegelstellung auf, mit weiteren Schaum- und Wasserrohren und einem Hydroschild wurde der Brand auf das Fahrzeug begrenzt. Parallel lief die Brandbekämpfung in und am Haus.

Da für den Kreuzlinger Kommandanten und Einsatzleiter Werner Ilg recht schnell abzusehen war, dass die eigenen Kräfte nicht ausreichen würden, lies er die Freiwillige Feuerwehr Konstanz zur Verstärkung anrücken. Konstanzer Trupps unterstützen bei der Brandbekämpfung im Haus und bauten ebenfalls eine Riegelstellung zu den gefährdeten Objekten auf. Von der Drehleiter wurde der Monitor in Stellung gebracht. Mittels Megafon und dreisprachigen Durchsagen gelang es der Polizei die Einsatzstelle von Schaulustigen zu räumen.

Löschangriffe und Riegelstellungen
Von einem Grundstück an einer Parallelstraße aufgenommen. Die Flammen beim Lastwagen und die Löschangriffe und Riegelstellungen am Haus sind zu erkennen.

Im Bereich der Unfallstelle wurden mit Messgeräten die Kanaleinläufe kontrolliert, ob sich dort Benzin angesammelt und sich explosible Gemische gebildet hatten. Die Kontrollen wurden anschließend auf weitere Kanäle ausgedehnt. Ebenso erfolgten Kontrollen an der Übergabestation am Döbele. Von dort werden die Abwässer in die Konstanzer Kläranlage weitergeleitet. Um eine weitere – bis dahin nicht erfolgte Ausbreitung – ins Konstanzer Kanalnetz zu verhindern, wurde an der Regenentlastungsanlage abgeschiebert. Das dort angeschwemmte Wasser-Schaum-Benzin-Abfall-Gemisch wurde in einen großen Aufstellbehälter gepumpt, von wo es entsorgt wurde. Für den Bodensee hat keine Gefahr bestanden.

Gefahr in der Kanalisation

Die Messungen hatten dank der Einleitung von Wasser und Schaum über Strahlrohre und dem Be- und Entlüften von Kanälen keine kritischen Werte ergeben. Zur Sicherheit mussten jedoch Straßen und der Grenzübergang Emmishofer Tor zeitweise gesperrt werden. Die schon am Vormittag angespannte Verkehrssituation verschärfte sich in beiden Städten dadurch erheblich. Der Stau reichte in der Spitzenzeit bis rund 12 Kilometer vor Konstanz. Noch bis zum Abend meldete der Verkehrsservice von SWR1, dass nach Möglichkeit Kreuzlingen großräumig zu umfahren sei.

Zur Unterstützung forderten die Kreuzlinger auch die Chemie-Wehr Weinfelden an. Das Auspumpen des restlichen Benzins, das nicht verbrannt war, bereitete den Einsatzkräften erhebliche Probleme. Der Einsatz der Konstanzer dauerte – wegen der Messungen und Kanalkontrollen – bis zum Nachmittag.

Schaumangriff gegen das wieder aufflackernde Feuer
Schaumangriff gegen das wieder aufflackernde Feuer. Rechts das Kreuzlinger TLF, in der Mitte eines der Schaumrohre (2 B-Zuleitungen) und links ein Anhänger mit großen Schaummittelbehältern.

Am Samstag entdeckte die Kreuzlinger Feuerwehr, dass Benzin aus dem Erdreich in den nahe am Haus vorbeiführenden Tobelbach drückte. Das Ausfließen ließ sich nicht aufhalten. So mussten die Feuerwehrleute im Bachölsperren setzen und das Öl-Wasser-Gemisch mit Hilfe eines Ölabscheiders abpumpen.

Nachlese und Unfallforschung

Wochen später wurden Bohrungen im Erdreich durchgeführt, um zu erkunden, wie tief das Erdreich mit Benzin durchtränkt ist.

In den letzten 4 Jahren hatte es in der abschüssigen Kurve schon zwei Unfälle mit Lastwagen gegeben, die jedoch eindeutig auf Übermüdung oder Fahrfehler zurückzuführen waren. Einige Zeit später wurde für abwärts fahrende Lastwagen eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h vorgeschrieben.

Der Fahrer galt als vertraut mit der Fahrstrecke. Die Fuhre kam aus Frauenfeld, wo es ein Shell-Tanklager gibt. Das Fahrziel lag in Kreuzlingen. Etwa einen Kilometer vor dem Ziel, kam es dann zu dem Unglück. Von einem Vertreter des Ölkonzerns Shell (Schweiz) war zu erfahren, dass es sich bei dem Tanklaster um ein wenige Monate altes Modell gehandelt habe, das Ende 1999 zugelassen worden war.

Die Unterseite des Tanklasters
Die Unterseite des ausgebrannten Lastwagens. Im Vordergrund sind Stücke der Leitplanke zu sehen.

Die Unfallursache ist noch Monate später ungeklärt. Das Fahrzeug war nicht überladen. Augenzeugen hatten berichtet, dass der Laster nicht auffallend schnell in die Kurve gefahren sei. Alkohol scheidet ebenfalls als Unfallursache aus, die Autopsie des Leichnams ergab keinen Hirn- oder Herzschlag; von einer Übermüdung der Mannes gehen die Untersuchungsbehörden nicht aus. Die Fahrer müssen regelmäßig an einem Fahrtraining teilnehmen und zu ärztlichen Untersuchungen. Ein Kipp-Test mit einem vergleichbaren Fahrzeug und unter vergleichbaren Bedingungen ergab bisher keine Erkenntnisse zur Unfallursache. Bei den Untersuchungen werden ähnlich gelagert Unfälle und Computer-Simulationen hinzugezogen.

Der beschädigte Teil des Wohnhauses ist bis heute noch nicht wieder instand gesetzt. Die Bausubstanz soll intakt sein und das Haus wieder instand gesetzt werden können. Der Gesamtschaden überschreitet die Million-Franken-Grenze.

Einsatzmittel

Von der Feuerwehr Kreuzlingen wurden – unter anderem – folgende Geräte eingesetzt: 2 TLF mit je 2 800 l/min Wasserförderung, 1 Hydroschild mit 1 700 l/min, 1 Wasserwerfer mit 2 200 l/min (später als Mittelschaumrohr eingesetzt), verschiedene Mittelschaum- und Wasserrohre im Innen- und Außenangriff

Beschädigtes Haus
Das erheblich beschädigte Haus, nachdem die Flammen gelöscht sind.

Die Kreuzlinger Drehleiter (ADL) hatte gleich zu Beginn des Einsatzes Probleme, da der Korb nicht ausreichend nivellierte; der Boden wäre nie in die Waagrechte gekommen, so dass der Stand für die Mannschaft unbequem geworden wäre. Die Firma IVECO beseitigte am Folgetag den Defekt. Statt dessen kam die Drehleiter (6/33) aus Konstanz zum Einsatz, die ADL verblieb als eiserne Reserve an der Einsatzstelle.

Die Konstanzer Feuerwehr setzte unter anderem noch ein: 1 Tanklöschfahrzeug (6/21), 1 LF 16-TS (1/45), 1 LF 16 (6/44) und 1 ELW 2 (6/12).

Rund 150 Feuerwehrleute, sowie Polizei, Umweltamt, Sanität und weitere Ämter und Organisationen hatten an der Einsatzstelle zu tun.

Die Angaben beziehen sich auf einen Informationsstand von Anfang 2001.

Weitere Bilder bei der Feuerwehr Kreuzlingen.


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